AMERIKANISCHE DICHTUNGChristian Hawkeys deutsches Buchdebüt : Im Leib der Königin

Gregor Dotzauer

Es gibt nicht vieles, was deutsche Leser nicht über die amerikanische Dichtung des 20. Jahrhunderts wissen könnten. Von Wallace Stevens’ Rätselbilderromantik bis zu Charles Simics Großstadtsurrealismus, von Charles Bukowskis Bierdosenseligkeit bis zu John Ashberys an jeder Versbiegung eine neue Wendung nehmenden Sprachexpeditionen: Es existiert in Übersetzungen. Von der allerjüngsten amerikanischen Lyrik dagegen war bis vor kurzem nur wenig bekannt. Das hat erst die im letzten Jahr erschienene Anthologie „Schwerkraft“ (Jung und Jung) geändert – und das übersetzerische Engagement junger deutscher Dichter.

Eine der stärksten „Schwerkraft“-Stimmen war der 1969 geborene Christian Hawkey, der sich jetzt – in Übertragungen von Steffen Popp und Uljana Wolf – bei kookbooks mit einem eigenen Band präsentiert: „Reisen in Ziegengeschwindigkeit“. Hawkey, der am Pratt Institute in Brooklyn englische Literatur und Creative Writing lehrt und gerade ein Jahr als DAAD-Stipendiat in Berlin verbringt, zeigt sich in seinen Gedichten inspiriert von Wallace Stevens und John Ashbery, der ihm auch bereits höchstes Lob zollte. Er hat aber auch ein Faible für Georg Trakls düsteren Expressionismus. Das klingt dann etwa so: „Da ist eine Königin, innen / sie kann nicht sprechen – ich feuchte ihre Lippen an mit einem gelben / Schwamm, aber nur leicht, mir graut / vor ihrer Stimme, ihrem gewaltigen, rollenden Leib / & dem Seufzen, das durch ihn läuft wie durch Räume“. Im Dock 11 stellt Hawkey nun, moderiert von Raphael Urweider und mit Musik von Susie Asado, seinen Band vor. Gregor Dotzauer

Dock 11, Mo 3.3., 20 Uhr,

Eintritt frei

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