Amoklauf in Alabama : Was ist in dem US-Bundesstaat passiert?

Auch im US-Bundesstaat Alabama tötete ein Amokläufer mehrere Menschen und am Ende auch sich selbst. Die Polizei spricht von „komplizierten Ermittlungen“.Was genau ist in Alabama passiert?

Matthias B. Krause[New York]
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Tatorte. In zwei Orten im US-Bundesstaat Alabama tötete der Amokläufer mherere Menschen.Grafik: Tsp

Am Ende bleibt nur Trauer, Entsetzen, Unverständnis und eine Frage, auf die es wahrscheinlich keine Antwort gibt: warum? Die kann Michael McLendon, 27, nicht mehr beantworten. Nach einem Amoklauf in drei kleinen Städten im Süden der USA, bei denen er insgesamt zehn Menschen erschoss, Familienmitglieder und scheinbar beliebig ausgewählte Opfer, richtete er sich am späten Dienstagabend selbst. „Ich denke, niemand hat die geringste Idee, was sein Motiv war“, sagte Clay King, Bürgermeister der Stadt Samson, „die ganze Gemeinde steht immer noch unter Schock.“

Begonnen hatte McLendon seine fatale Tat in Kinston, einem kleinen Dorf im Südwesten des US-Bundesstaates Alabama, nahe der Grenze zu Florida. Er brannte das Haus seiner Mutter Lisa McLendon nieder. Die Polizei fand später ihre und die Leiche von vier Hunden im Haus. Zunächst war nicht klar, ob sie durch das Feuer, durch Schüsse oder durch eine andere Ursache starben. Amtsarzt Robert Preachers sagte, es gebe Hinweise darauf, dass die Frau erschossen worden sei.

Michael McLendon stieg danach mit seiner halbautomatischen M16 in sein Auto und fuhr ins nahe gelegene Samson. Dort erschoss er seine Großeltern, einen Onkel und eine Tante, die alle auf einer Veranda saßen. Er feuerte auf einen weiteren Menschen, der auf dem Grundstück lebte, und auf eine Frau, ein Mädchen und ein Baby, die sich auf der gegenüberliegenden Seite der Straße auf ihrer Veranda aufhielten. Nur das 13 Monate alte Baby überlebte verletzt.

Der Amokläufer, inzwischen verfolgt von der Polizei, setzte seine Fahrt Richtung Osten nach Geneva fort und schoss dabei anscheinend beliebig auf Autos und Menschen, die er sah. Auf einem Parkplatz einer Shopping Mall verletzte McLendon zwei weitere Menschen mit seinen Schüssen tödlich. Als die Polizei seinen Wagen rammte, feuerte er auch auf sie mehrere Salven ab, ein Polizeibeamter wurde nur durch seine schusssichere Weste gerettet. Vor einer Metallfabrik, in der McLendon früher gearbeitet hatte, gelang es der Polizei, sein Fahrzeug zu stoppen. Der Täter verschwand in der Fabrik. Wenige Minuten später hörten die Polizisten einen Schuss. Als sie in die Fabrik vordrangen, fanden sie McLendon tot vor. Sie gehen von Selbstmord aus. Erst danach erfuhr einer der beteiligten Polizisten, dass seine Frau und seine 18 Monate alte Tochter zu den Opfern gehörten. „Ich habe keine Ahnung, wer der Schütze war“, sagte der geschockte Debuty Sheriff Josh Myers, „ich habe nie von ihm gehört. Ich habe ihn nie getroffen. Ich habe ihn noch nie zuvor in meinem Leben gesehen.“

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