Zeitung Heute : Amor, was soll ich tun?

Madrigale – Meisterwerke Monteverdis

Babette Kaiserkern

„Wie gut, dass sich auf Italienisch „Liebe“ und „Herz“ reimen: amor und cor bilden schon klanglich eine Einheit, so dass man meinen kann, die italienische Sprache sei nicht bloß zum Gesang, sondern erst Recht zum Gesang über die Liebe prädestiniert.

Der Komponist Claudio Monteverdi, als letzter Madrigalist und erster Opernkomponist in der Musikgeschichte verewigt, liefert dafür nicht die geringsten Argumente. „Amor, was soll ich tun?“ fragen die Sänger in Monteverdis Siebtem Madrigalbuch. Diese Frage ist symptomatisch für die Epoche zwischen Renaissance und Barock. Schon bald nach der Wiederbelebung der Antike tummelten sich deren Göttinnen und Götter in Malerei und Musik, Literatur und Theater. Beliebt waren die Liebesgöttin Aphrodite und ihr Sohn Eros respektive ihre römischen Gegenbilder Venus und Amor. Um die mannigfaltigen Spielarten der Liebe drehen sich die Gesänge in Monteverdis Siebtem Madrigalbuch (1619) Dafür komponierte Monteverdi in einem neuen Stil, den er seconda pratica nannte. Er verwendete variable stimmliche Anordnungen zugunsten der Melodie, die sogar schon gelegentlich solistisch erklingt, sowie ausdrucksstarke Instrumentalbegleitungen. Im Achten Madrigalbuch ließ der Kapellmeister an San Marco das traditionelle Madrigal hinter sich. Nicht zuletzt bei den Musikern erregten die Neuerungen Protest. Dass die Streicher in vier Gruppen aufgeteilt wurden und zudem pizzicato und tremolo spielen sollten, um galoppierende Pferde und klirrende Schwerter nachzuahmen, missfiel ihnen sehr. Sie wussten nicht, dass mit Monteverdis Kantate „Combattimento di Tancredi e Clorinda“ etwas begonnen hatte, das zur Entstehung der Oper führte.Babette Kaiserkern

Schlosstheater, Sonnabend,

7. Juni, 19 Uhr; Raffaelsaal,

Orangerie Sanssouci, Mittwoch,

18. Juni, 20 Uhr

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