Zeitung Heute : an Alexander Ross Managementautor in Berlin

Tests als Ersatz für Entscheidungen

an Alexander Ross

Es scheint einen regelrechten Boom bei Tests für Mitarbeiter und Bewerber zu geben. Wie kommt das, und gibt es auch Tests für Chefs?

Bei der Personalauswahl dominiert in Deutschland immer noch die so gennannte Biografieforschung, also die Analyse des bisherigen Berufsweges anhand von Zeugnissen. Doch inzwischen sind Tests auf dem Vormarsch. Es ist ein Trend im Management, eigene Urteile und Entscheidungen (und damit auch eine Verantwortung dafür) verstärkt durch Verfahren, Methoden und Zahlen zu ersetzen. Viele Assessment-Center zeigen: Gruppenentscheidungen und Tests sind später mit der Frage „Wer hat denn den eingestellt?“ viel schwerer angreifbar als eine von einer (einzelnen) Person getroffene Entscheidung.

Doch manche Persönlichkeitstests offenbaren mehr über die Persönlichkeit des Testenden als des Kandidaten. Das gilt weniger für die Experten, die sich täglich mit Fragen der Eignungsdiagnostik und Personalbeurteilung beschäftigen, sondern viel mehr für die Realität in den Unternehmen.

Ein wirkliches Problem sind selbstgestrickte Tests und Auswahlverfahren – in den Personalabteilungen oder von Chefs, die sich dazu berufen fühlen. Manche erinnern eher an Horoskope oder sind schlicht obskur.

Dabei gilt unter EDV-Experten das Programmierprinzip: Garbage in, garbage out. Für Tests übertragen heißt dies: Welche Ergebnisse man bekommt, hängt von den Fragen ab und mit welcher wissenschaftlichen Qualität und Methode sie erarbeitet wurden. In Großunternehmen kann der Befragte allerdings mehr erwarten, da man meist mit speziellen Dienstleistern oder Wissenschaftlern zusammenarbeitet. Aber: Die üblichen Tests erfassen selten zwei wichtige Aspekte, nämlich die heuristische und die soziale Kompetenz, also die Problemlösungsfähigkeit und das Verhalten gegenüber anderen.

Und es stimmt, Chefposten werden nicht regelmäßig nach den Ergebnissen eignungsdiagnostischer Tests besetzt. Dabei zählen gerade bei Führungskräften die Persönlichkeitsstruktur, das Führungs- und Konfliktverhalten oder die Handlungsorientierung. Es zeigt sich oft genug: Wird der Chef nicht sorgfältig ausgewählt, kann seine Persönlichkeit das Unternehmen und die Mitarbeiter viel mehr kosten als viele gesteteste Mitarbeiter.

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