Zeitung Heute : An allen Fronten

Universal startet legale Alternative zur Piraterie: popfile

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Das erste deutsche „pay-per-track“-Portal für Musikdownloads wurde gestern von Universal Music im vor gerade einem Monat bezogenen Berliner Firmensitz vorgestellt und gestartet. Popfile bietet Nutzern die Möglichkeit, für 99 Cent pro Track Musik aus dem Internet legal herunterzuladen und auf CD zu brennen. Das Angebot umfasst derzeit 5 000 Titel verschiedener Genres und beinhaltet sowohl Klassiker und Raritäten wie auch aktuelle Charthits des weltgrößten Musiklabels. Eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom soll für eine reibungslose und schnelle Datenübertragung sorgen, die Abrechnung erfolgt wahlweise über die Telefonrechnung oder ein Prepaid-System, ähnlich dem von Mobiltelefonen.

Alle heruntergeladenen Titel lassen sich dabei sowohl auf mobilen Audio-Playern abspielen wie auch auf CD brennen, bei bisherigen legalen Downloadangeboten war dies in der Regel nicht möglich. So lassen sich beispielsweise Sampler mit Lieblingssongs zusammenstellen. Durch ein spezielles Verschlüsselungsverfahren werden die Downloads mit einem Wasserzeichen versehen, so dass ein mehrmaliges Brennen der Lieder zwar technisch möglich ist, durch die Speicherung der Nutzerdaten jedoch nachvollziehbar bleibt.

„Angst stoppt alles“

Tim Renner, Chairman und CEO von Universal Music Deutschland, betonte auf der Pressekonferenz, dass popfile den illegalen Musiktauschbörsen im Internet, wie etwa Soulseek oder Kazaa, Paroli bieten wolle: „Die Problemlage in der Musikbranche ist so komplex – da müssen wir an allen Fronten angreifen. Angst stoppt alles.“ Zu lange habe die Musikindustrie immer nur gejammert, anstatt selbst aktiv zu werden. Universal Music stelle nun mit dem Launch von Popfile unter Beweis, dass man die gewandelten Bedürfnisse der Konsumenten erkannt und ernst genommen habe.

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder nahm im Zuge seines Wahlkampfprogramms die Möglichkeit dankbar an, sich an der Seite von jungen Medienmenschen und der Popsängerin Jeannette Biedermann zu zeigen. Nach dem Launch des neuen Download-Dienstes diskutierte er unter dem Motto „Zukunft in Deutschland – Weltoffen und innovativ“ mit jungen Führungskräften verschiedener Branchen. Schröder lobte in der Diskussion die Doppelstrategie von Universal Music, zwar einerseits urheberrechtliche Rahmenbedingungen von Seiten der Politik einzufordern, gleichzeitig jedoch selbst mit attraktiven Innovationen aufzuwarten. Er begrüße die Bekämpfung von illegalen Aktivitäten durch legaleAngebote, nur so sei schließlich „ein sinnvolles Miteinander zugunsten der Kids“ möglich.

Über die angepeilten Nutzerzahlen für den popfile-Dienst äußerten sich die Verantwortlichen nur vage. Groß schien die Angst, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Auf eine Million Downloads im ersten Jahr konnte man sich dann nach einigem Hin und Her jedoch einigen.

In der Vergangenheit waren mehrfach Versuche unternommen worden, funktionierende Geschäftsmodelle für die legale digitale Distribution von Musik aufzubauen. Der Kauf der illegalen Online-Tauschbörse Napster durch Bertelsmann dürfte dabei das prominenteste Beispiel darstellen. Der Grund für das Scheitern dieser Projekte war die fehlende Bereitschaft der Plattenindustrie, Lizenzen für ihre geschätzten Titel zu erteilen sowie ihr häufig stark eingeschränktes Repertoire.

Beim Start von popfile.de betonte TimRenner, dass es sich bei dem Portal keineswegs um eine reine Einzelplattform von Universal Music handeln soll, sondern lud auch alle anderen Plattenfirmen ein, ihre Musik dort zum Download anzubieten. „Popfile ist sicherlich nur der erste Schritt. Aber wir tun ihn laut, um andere Schritte dadurch anzuheizen“.Christoph Koch

Im Internet:

www.popfile.de

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