Zeitung Heute : An Anja Mengel Fachanwältein für Arbeitsrecht

Wechselnde Arbeitsorte

An Anja Mengel

In meinem Arbeitsvertrag ist zum Arbeitsort geregelt „verschiedene Orte“. Was bedeutet dies?

Der Arbeitsort muss im Arbeitsvertrag nicht schriftlich geregelt sein. Allerdings muss der Arbeitnehmer nach dem Nachweisgesetz innerhalb eines Monats nach Beginn des Arbeitsverhältnisses eine schriftliche Niederschrift zu seinen wesentlichen Vertragsbedingungen erhalten. Darin muss auch der Arbeitsort genannt werden oder gegebenenfalls ein Hinweis auf die Beschäftigung an „verschiedenen Arbeitsorten“ erfolgen.

Viele Arbeitgeber vermeiden einen zusätzlichen Nachweis, indem sie alle erforderlichen Informationen in den Arbeitsvertrag aufnehmen, auch über die dort zwingend zu regelnden Inhalte hinaus. Dies hat für beide Vertragspartner oft nicht bedachte Rechtsfolgen. So bedeutet die vertragliche Festlegung des Arbeitsortes eine Einschränkung des arbeitgeberseitigen Versetzungsrechtes. Grundsätzlich kann der Arbeitgeber ausgehend von dem sich aus den Umständen des Arbeitsplatzes ergebenden Dienstort den konkreten Arbeitsort bestimmen und auch einseitig verändern, soweit die Veränderung nicht zu einer wesentlichen Änderung der Arbeitsbedingungen führt. Das kann insbesondere dann der Fall sein, wenn der neue Arbeitsort weit entfernt ist. Auch weiter entfernte Orte kann der Arbeitgeber aber einseitig zuweisen, wenn dies in der Natur der Tätigkeit liegt, z. B. bei Bau-, Montage-, Außendiensteinsatz.

Legt der Arbeitsvertrag jedoch einen Arbeitsort oder gar einen konkreten Arbeitsplatz, zum Beispiel in einer Filiale etc. fest, kann eine Versetzung nur mit Zustimmung des Arbeitnehmers erfolgen. Dies erscheint für Arbeitnehmer zunächst attraktiv, kann sich aber als nachteilig erweisen, wenn das Unternehmen in eine Krise gerät.

Denn das weite Versetzungsrecht bedeutet bei einem betriebsbedingten Personalabbau einen gewissen Schutz. Dann muss der Arbeitgeber alle Mitarbeiter in der Sozialauswahl vergleichen, deren Arbeitsplatzzuweisung er einseitig austauschen kann. Fehlende örtliche Versetzungsrechte, also vertragliche Festlegungen zum Arbeitsort, schließen dies gegebenenfalls aus.

Überdies kann je nach Vertragsbedingungen die Festlegung eines vom Wohnort entfernten Arbeitsortes oder wechselnder Einsatzorte für die Kostenerstattung für Dienstreisen bedeutsam sein. Der Weg von der Wohnung zum Arbeitsort ist vom Arbeitnehmer zu tragen. Für Einsatzwechseltätigkeit bestehen üblicherweise Kollektivvereinbarungen oder allgemeine Richtlinien. Insgesamt will die Regelung des Arbeitsortes daher von beiden Vertragspartnern gut überlegt sein.

Anja Mengel ist Fachanwältin für Arbeitsrecht bei Wilmer Cutler Pickering Hale and Dorr LLP, Berlin

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