Zeitung Heute : an Anja Mengel Fachanwältin für Arbeitsrecht

Ein Streit ist nicht gleich Mobbing

an Anja Mengel

Ich werde von Kollegen gemobbt. Welche Rechte habe ich?

Es kommt auf das konkrete Verhalten der Kollegen an. „Mobbing“ ist ein zunehmend häufiger benutztes, aus dem Amerikanischen abgeleitetes Schlagwort. Dahinter können sich eine Bandbreite sozialer Phänomene verbergen – von schlicht schlechter Arbeitsatmosphäre bis hin zu massiver Schikane.

Noch sozial adäquates, aber unangenehmes Verhalten, wie zum Beispiel Unhöflichkeit oder berechtigte, aber heftige Kritik, haben keine besonderen rechtlichen Folgen. Das ist kein „Mobbing“, wenn auch ein soziales Ärgernis. Die Vermeidung solcher Ärgernisse obliegt Arbeitgeber, Arbeitnehmern und gegebenenfalls Betriebsrat gemeinsam; Anwälte und Arbeitsrichter können von außen meistens nicht sinnvoll einwirken. Schwierig ist dies auch, wenn ausnahmsweise „Mobbing“ im Rechtssinn vorliegt – das fortgesetzte und systematische Anfeinden, Diskriminieren und Schikanieren, das insgesamt ein unzulässiges Ziel verfolgt und die Persönlichkeit, Ehre oder Gesundheit des Betroffenen verletzt.

Gegen dieses Verhalten kann sich ein Arbeitnehmer notfalls rechtlich wehren. Er kann sich an den Arbeitgeber (also Vorgesetzte, Personal-/Geschäftsleitung) wenden, der ihm aufgrund seiner allgemeinen Fürsorgepflicht beistehen muss. Der Arbeitgeber kann gegenüber den Kollegen, die sich pflichtwidrig verhalten, personelle Maßnahmen ergreifen, je nach Art und Schwere des Verhaltens, eine Rüge, eine Abmahnung erteilen oder eine Versetzung, Kündung erklären. Besteht ein Betriebsrat kann der Arbeitnehmer ihn ebenfalls einschalten.

Hilft der Arbeitgeber dem „Mobbing“ nicht ab, oder ist er, also auch Vorgesetzte oder die Geschäftsleitung, selbst beteiligt, kann der Arbeitnehmer auf Unterlassung klagen und gegebenenfalls bei Vorliegen weiterer strenger Voraussetzungen Schadensersatz beanspruchen. Der Arbeitnehmer kann sich ebenso unmittelbar an die Kollegen halten und diese auf Unterlassung und sogar Schadensersatz verklagen. Anders als in den USA sind in Mobbingklagen auf Schmerzensgeld nach dem grundlegend anderen deutschen Recht aber keine hohen Beträge zu erwarten.

Oft verschlechtert eine Klage die Situation am Arbeitsplatz sogar. Das macht die Lösung auch von echten „Mobbing-Konflikten“ für die Unternehmen und in der arbeitsgerichtlichen Praxis so schwierig. Die Betroffenen reagieren daher oft mit Rückzug und Krankschreibung.

Dies ist auch nicht im Interesse des Arbeitgebers. Zu empfehlen sind daher vorbeugende Informationen und Schulungen vor allem der Führungskräfte, um Mobbing und dessen Vorstufen gar nicht erst entstehen zu lassen. Foto: Niels Leiser

Anja Mengel ist Fachanwältin für Arbeitsrecht bei Wilmer Cutler Pickering Hale and Dorr LLP, Berlin

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