Zeitung Heute : An Berlins Fachhochschulen wird schnell studiert

Der Tagesspiegel

Berlin hat keinen guten Ruf, wenn es um die Dauer der Studiengänge geht. Die Berliner Universitäten sind Landesmeister in der Menge der Studiengänge mit den längsten Studienzeiten. Das ist an den Fachhochschulen ganz anders. Da glänzt Berlin mit Studienzeiten, die meistens erheblich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt liegen. Sie sind also kürzer als an vielen , vor allem westdeutschen Fachhochschulen. Die Berliner Studiendauer liegt eher in jenen Bereichen, die für die neuen Länder typisch ist. Das geht aus der neuesten Übersicht des Wissenschaftsrats über die Studiendauer an den deutschen Fachhochschulen in den Jahren 1994, 1996 und 1998 hervor.

Aber auch an den deutschen Fachhochschulen liegt die durchschnittliche Studiendauer über der im Gesetz angenommenen Regelstudienzeit. 70 Studiengänge wurden untersucht, nur in 15 erreichen mehr als 50 Prozent der Studenten den Abschluss innerhalb der Regelstudienzeit von acht Semestern. Nach neun bis zehn Semestern beendeten immerhin über die Hälfte der Studenten in 32 Studiengängen ihre Ausbildung.

In der Kürze der Studienzeiten sind die Berliner Fachhochschulen leistungsstark. Die Technische Fachhochschule in Wedding wetteifert erfolgreich mit der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Karlshorst, die Evangelische Fachhochschule für Sozialarbeit bemüht sich um vergleichbare Kürze wie die katholische Fachhochschule oder die staatliche Alice-Salomon-Fachhochschule. Und die Fachhochschule für Wirtschaft in Schöneberg will auch nicht nachstehen. Die Fachhochschulen verdanken ihre kurzen Studienzeiten offensichtlich der guten Betreuung der Studenten in festen Gruppen und dem verschulten Unterricht.

Wie erfolgreich die Berliner Fachhochschulen sind, zeigt die Übersicht: In Fach „ Sozialhilfe“ liegt die durchschnittliche Studiendauer in Deutschland bei 7,6 Semestern, in Berlin bei 6,5. In der Betriebswirtschaftslehre kommen Berliner Studenten auf 7,9 Semester, der Bundesdurchschnitt liegt bei 8,7 Semestern. Wirtschaftsingenieure studieren in Berlin 7,9 Semester – im Bundesdurchschnitt sind es neun Semester.

Im Chemieingenieurwesen benötigen die meisten bundesdeutschen Studenten 9,8 Semester, in Berlin neun Semester. In der Feinmechanik unterbietet Berlin den bundesdeutschen Durchschnitt um vier Monate, in der Fertigungs- und Produktionstechnik um eineinhalb Semester. Im Maschinenbau sind die Berliner um 1,3 Semester schneller, in der Textil- und Bekleidungstechnik um ein Semester. In der Eektrotechnik beträgt der Vorsprung der Berliner acht Monate, im Bauingenieurwesen 1,1 Semester.

Ausreißer ist die Biologie: Hier liegt der Bundesdurchschnitt bei 9,6 Semestern, in Berlin bei 9,8 Semestern. Uwe Schlicht

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