Zeitung Heute : An den Haaren herbei gezerrt

Christian Hörburger

Tatort: Tödliches Verlangen. ARD. Seien wir doch mal ganz ehrlich: Fred Breinersdorfer, von dem das Buch zu diesem "Tatort" stammt, läuft im Krimi-Genre erst dann so richtig zur Höchstform auf - und darin übertrifft er oft sogar den schreibenden Konkurrenten Felix Huby um Längen -, wenn die Story irgendwie noch Bodenhaftung zeigt. Oder zumindest entfernt, hin und wieder, mit der nackten Realität des Alltags zu tun hat. So zum Beispiel geschehen beim "Hammermörder" aus dem Jahr 1990 oder 1989 in dem Social Fiction-Film "Quarantäne". Zwar sind diese beiden Werke leider schon ein ganzes Weilchen her. Aber da knisterte und prickelte es, weil das Gefundene und Erfundene im Fadenkreuz wahrscheinlicher oder denkbarer Abläufe angesiedelt war.

Auch an den alten und neuen Charme von "Anwalt Abel" ließ sich diesmal im "Tatort" unter dem Titel "Tödliches Verlangen", nicht anknüpfen. Nicht, dass die Konstruktion der Liebestragödie zwischen liebestollem Töchterchen, Mutti und einem labilen Liebhaber nicht denkbar wäre. Aber die Verwurstelung von Liebe, Tod und Leidenschaft, die war letztlich auch für unsere Ermittler Ehrlicher und Kain eine rechte Zumutung. Da war vieles, zu vieles, an den Haaren herbei gezerrt. Nicht nur das: In den lustlosen Dialogen nistete der Charme goldiger Trivialromantik - leider.

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