Zeitung Heute : An eine Hundehalterin schreiben

Stephan Wiehler

Wie ein Vater die Stadt erleben kann

Liebe Frau Dr. G.,

erinnern Sie sich noch an mich? Nach meinem letzten Beitrag an dieser Stelle vor drei Wochen hatten Sie mich angerufen. Sie fragten, ob ich ernsthaft vorhätte, meine Tochter Emma nur noch an der Leine zu Spaziergängen auszuführen, um sie vor Schnüffelattacken freilaufender Hunde zu schützen und von den Haufen fernzuhalten, die überall herumliegen. Ich hatte versprochen, nicht in jeder neugierigen Hundenase eine Gefahr zu sehen – und meine Tochter nicht anzuleinen.

Ich habe weder Ihre Telefonnummer noch Ihre Adresse, so dass ich Ihnen auf diesem Weg sagen möchte, dass ich Sie für eine sehr verantwortungsvolle Hundebesitzerin halte. Am Telefon hatten Sie eine so Vertrauen erweckende Stimme. Darum habe ich Ihnen auch sofort geglaubt, dass sie beim Gassigehen mit Ihrem kleinen Hund stets eine Plastiktüte zur Hand haben, damit die Trottoirs im feinen Westend sauber bleiben. Wenn sich alle Hundefreunde in Berlin so vorbildlich verhielten wie Sie, wären wir mit unseren gemeinsamen Anliegen schon ein Stück weiter: in beiderseitigem Interesse für ein friedliches Miteinander von Hunde- und Kinderhaltern in dieser Stadt einzutreten.

Leider muss ich Ihnen einen empfindlichen Rückschlag in diesem Bemühen melden. Emma ist immer gut mit Hunden ausgekommen – bis zu der Begegnung mit einem Kampfhund am vergangenen Wochenende. Wir waren zu Besuch bei Freunden gleich hinter der Stadtgrenze. Als wir uns an der Tür verabschiedeten, stürmte vom Nachbargrundstück ein weißer Mastino napoletano auf unsere Tochter zu und stieß sie zu Boden. Emma schrie, wir vertrieben den Hund, und der Besitzer kam heraus. Ich fragte ihn, warum das Tier frei herumlaufe und ob er das Brandenburger Hundegesetz kenne. „Gesetz ist doch egal“, sagte der Nachbar, „der Hund ist lieb, der tut nichts.“ Entrüstet räumten wir das Feld, um den Nachbarschaftsfrieden unserer Freunde nicht zu gefährden. „Ratet mal, was der beruflich macht?“, fragte unsere Freundin: „Der ist Gebühreneintreiber für die GEZ.“ Wollen wir hoffen, dass er den Hund nicht im Dienst einsetzt.

Formulare zur Anmeldung von Rundfunk- und Fernsehgeräten bei der GEZ gibt es in Banken, Postfilialen oder im Internet unter www.gez.de.

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