Zeitung Heute : an Gesa Meyer Rechtsanwältin in Berlin

Beratene haben durchaus Rechte

an Gesa Meyer

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Ich habe meine Bewerbungsunterlagen professionell überprüfen lassen und ein Bewerbungstraining absolviert. Trotzdem wurde meine Bewerbung abgelehnt. Kann ich mein Beratungshonorar zurückverlangen?

Solange der Karriereberater nicht den Erfolg der Bewerbung garantiert hat – und das wird er sicherlich nicht tun – ist allein die Ablehnung eines Bewerbers kein Grund für die Rückerstattung derartiger Beratungskosten. Das heißt natürlich nicht, dass derjenige, der professionelle Beratung in Anspruch nimmt, keine Rechte hätte. Der Bewerber schließt mit der Beratungsfirma einen Vertrag ab, wenn er sich für ein Seminar anmeldet oder andere Leistungen bucht.

Dabei handelt es sich um einen Werkvertrag, wenn die Beratungsfirma ein bestimmtes Ergebnis verspricht (zum Beispiel überarbeitete Bewerbungsunterlagen). Der Bewerber kann bei Mängeln eine Nachbesserung verlangen. Ist diese nicht möglich oder im Einzelfall unzumutbar, kann der Bewerber sein Geld – je nach den Umständen ganz oder teilweise – zurückverlangen.

Verspricht die Beratungsfirma keinen bestimmten Erfolg, sondern lediglich ein Tätigwerden (zum Beispiel ein Beratungsgespräch oder die Durchführung eines Seminares), handelt es sich regelmäßig um einen Dienstvertrag. Bei diesem Vertragstyp sieht das Gesetz keine Gewährleistungsansprüche vor. Bei Verletzung der vertraglichen Pflichten und Verschulden der Beratungsfirma erkennen die Gerichte jedoch einen Schadensersatzanspruch an, der darin besteht, dass die Beratungsleistung nicht (vollständig) bezahlt werden muss. Wenn einem Teilnehmer ein Seminar nur deshalb nicht gefallen hat, weil es ihm seiner Ansicht nach „nichts gebracht hat“, liegt jedoch nicht zwangsläufig eine Pflichtverletzung des Beraters vor, die Rückerstattungsansprüche auslöst. Man kann ja auch ein Buch nicht dem Händler zurückgeben, nur weil man es langweilig fand.

Das zentrale Problem für den Bewerber ist in jedem Fall, dass er die Mangelhaftigkeit der Leistung beziehungsweise die Pflichtverletzung des Beraters im Zweifel beweisen muss. Der Beweis, dass eine Beratung oder ein Seminar in der Qualität nicht dem vereinbarten Standard entsprach und deshalb mangelhaft und für den Bewerber nutzlos war, dürfte oft schwer fallen. Wenn der Berater hingegen Bewerbungsunterlagen überarbeitet und diese hinterher voller Rechtschreibfehler sind, ist der Mangel leicht zu beweisen.

Beweisbarkeit und Leistungsstandard hin oder her – man sollte sich nicht davor scheuen, sich mit begründeter Kritik an seinen Vertragspartner zu wenden und einen Preisnachlass zu verlangen. Oft lassen sich Beratungsfirmen darauf ein, sei es aus Einsicht oder allein aus Kulanz.

Foto: Mike Wolf

Gesa Meyer, L.L.M, ist Rechtsanwältin bei Wilmer Cutler Pickering Hale and Dorr LLP, Berlin

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