Zeitung Heute : An Jürgen Hesse Berater im Büro für Berufsstrategie

Keine Kosenamen am Arbeitsplatz

An Jürgen Hesse

Ich habe seit einiger Zeit eine Affäre mit einem Kollegen. Bisher haben wir das geheim gehalten, aber ich fürchte, irgendwann kommen die Kollegen dahinter. Sollen wir uns nicht besser öffentlich dazu bekennen?

Liebesbeziehungen im Büro sind keine Seltenheit: mehr als 35 Prozent aller Ehen bahnen sich im Büro an. Das verwundert kaum, verbringen wir doch zirka neun bis zehn Stunden täglich mit unseren Kollegen und lernen sie in Teammeetings oder beim gemeinsamen Mittagessen besser kennen.

Ein öffentliches Bekenntnis zu einer Büroaffäre erfordert Mut. Gehen Sie nicht zu früh an die Öffentlichkeit. Erst, wenn Sie sicher sind, dass aus der Liebelei eine echte Beziehung geworden ist, sollten Sie Ihre Kollegen einweihen. Der geeignete Rahmen dafür ist sicher nicht die wöchentliche Besprechung, sondern besser ein Treffen nach Feierabend. Damit zeigen Sie Offenheit und Vertrauen. Verdeutlichen Sie den Kollegen, dass Sie Ihren Job weiter wie bisher ausüben und dass Sie ihnen loyal gegenüberstehen. So vermeiden Sie Eifersucht und Neid – die Büroatmosphäre wird es Ihnen danken.

Wird die Beziehung vom Kollegenkreis akzeptiert, dann machen Sie sich dennoch klar, Verliebte stehen unter verschärfter Beobachtung. Die Mittagspause miteinander zu verbringen ist in Ordnung, Kosenamen aber sind ebenso tabu, wie körperliche Liebesbeweise und „herzige“ E-Mails. Privates sollte nach Büroschluss besprochen werden. Kritisch wird es, wenn es zu Streit oder – im schlimmsten Fall – zur Trennung kommt. Bedenken Sie, das ist auch für die Kollegen eine unangenehme Situation! Sie werden verunsichert sein, wie sie sich Ihnen beiden gegenüber verhalten sollen – automatisch leidet das Betriebsklima. Darum bemühen Sie sich, so sachlich wie möglich die Situation zu klären.

Vorsicht ist auch geboten, wenn einer der Partner in einer übergeordneten Position arbeitet oder die jeweiligen Abteilungen konkurrierende Funktionen einnehmen. Widerstehen Sie der Versuchung, die Beziehung zugunsten der Karriere einzusetzen. Dem Partner Informationen zu entlocken, die Sie nichts angehen oder sich Vorteile zu verschaffen, gilt als wenig professionell. Werden private und geschäftliche Interessen vermischt, gibt es meistens böses Blut und Sie werden Opfer von Klatsch und Tratsch. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu einer Abmahnung oder der Beendigung des Arbeitsverhältnisses kommen.

Übrigens werden Büroromanzen von den Personalchefs mitunter ganz gern gesehen. Denn mit dem Hormonspiegel steigt auch die Motivation. Verliebte Arbeitnehmer verbringen mehr Zeit am Arbeitsplatz, denn sie wollen zeigen, wie engagiert und produktiv sie sind. Der eine versteht die Projekte und Probleme des anderen und gemeinsam werden Strategien und Lösungen erarbeitet.

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