Zeitung Heute : An Jürgen Hesse Berater im Büro für Berufsstrategie

Wie kriege ich mehr Gehalt?

An Jürgen Hesse

Ich kriege heute kaum mehr als mein Einstiegsgehalt, obwohl ich im Laufe der letzten fünf Jahre immer verantwortungsvollere Aufgaben übernommen habe. Beim Thema Gehaltserhöhung winkt mein Chef ab, wegen der Nachfrageflaute. Für die kann ich doch nichts! Wie kriege ich ihn rum?

Zunächst ist zu klären, was Sie unter „kaum mehr“ verstehen. Die Gehaltssteigerungen in den letzten Jahren waren spärlich, im Schnitt kaum mehr als ein Prozent pro Jahr. Entscheidend ist auch, wie hoch Ihr Einstiegsgehalt war. Noch wichtiger aber ist, wie verantwortungsvoll und vor allem mit welchem Erfolg Sie Ihre neuen, zusätzlichen Aufgaben bewältigt haben. Last but not least: Ums Rumkriegen kann es gar nicht gehen, es geht darum, mit den richtigen Argumenten zu überzeugen. Der Vorwand Ihres Chefs gehört zum Standardrepertoire.

Was sind die Geheimnisse einer erfolgreichen Gehaltsverhandlung? Antwort: Es gibt keine – auch wenn dieses Thema immer wieder gerne so verkauft wird. Was Ihnen wirklich hilft, ist eine gute Vorbereitung, Verhandlungsgeschick und ein bisschen Beharrlichkeit.

Also: Was bewegen Sie alles für Ihre Firma? Wie hoch ist Ihr Anteil am Unternehmenserfolg, der durch Sie erwirtschaftete Umsatz und Gewinn oder auch Einsparungen? Setzen Sie Ihren Bruttolohn dazu ins Verhältnis, wobei der Gewinn mehr als das Doppelte betragen sollte. Alles ist auch eine Frage des Selbstbewusstseins, eine Auseinandersetzung mit sich und seiner Arbeits-Umwelt.

Wählen Sie einen günstigen Zeitpunkt für ein Gespräch und überlegen Sie vorab, was Sie realistischerweise mehr verdienen wollen. Vor allem zählt: Was haben Sie zu bieten? Eine Gehaltserhöhung geht einher mit einem Mehr, einem neuen Leistungsversprechen für die Zukunft. Ihr Hinweis auf das bereits Erfolgte allein reicht nicht aus, ist aber nach einer freundlichen Small Talk-Einleitung schon ein guter Start. Bitten Sie um ein Gespräch („Ich möchte gerne über meine Aufgaben sprechen“) und verabreden Sie sich im nachmittäglichen Umfeld eines Wochentags (Dienstag bis Donnerstag, besser nach dem Essen, der Löwe ist dann satt!).

Kernpunkte: Was haben Sie Neues anzubieten, wie überzeugen Sie und bleiben auch bei Schwierigkeiten freundlich im Gespräch. Größte Fehler: Klagen (alles ist so teuer), vergleichen (der Kollege verdient mehr für weniger Leistung), drohen (wo anders wird mehr gezahlt…). Besser Sie bitten Ihren Chef um ein erstes Angebot und schlagen geduldig einen weiteren Termin, sprich Bedenkzeit, vor, falls es da hakt. Auf Aufforderung können Sie eine realistische Summe nennen und heben den positiven Effekt für das Unternehmen hervor. Ein bisschen hin und her gehört zum Ritual. Und vergessen Sie nicht, sie können auch über andere „Belohnungen“ statt nur über mehr Geld verhandeln.Foto: Thilo Rückeis

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