Zeitung Heute : An Jürgen Hesse Berater im Büro für Berufsstrategie

Wie sollte ich auftreten?

An Jürgen Hesse

Ich bin Diplom-Soziologe, 49 Jahre alt und derzeit Hartz-IV-Empfänger. Ich scheue mich in Gesprächen mit mir nicht so bekannten Menschen, bei Tagungen etc. darauf zu verweisen, dass ich Hartz-IV-Empfänger bin. Soll ich damit offensiver umgehen, um meine Stellensuche deutlicher auszudrücken oder minimiert dies noch mehr meine Berufschancen?

Gegenfrage: Würden Sie jemandem empfehlen, gleich beim ersten Kontakt zu erzählen, dass er wieder Single ist und vielleicht sogar noch die traurige Geschichte seiner Trennung obendrein?

Hoffentlich nicht. Die beste Antwortempfehlung lautet wohl in allen Fällen und Ihr Fall ebenfalls eingeschlossen immer NEIN. Sie sollten nichts dergleichen thematisieren. Es schickt sich nicht und ist kein guter Auftakt für den Beginn einer Bekanntschaft. Ihr Gefühl trügt Sie also nicht. Es wäre ungeschickt Ihren Hartz-IV Status vorschnell zu offenbaren.

Was wollten Sie damit auch erreichen? Mitleid? Sicher nicht. Auf Ihre besondere Motivationslage hinwiesen? Denkbar, aber doch ziemlich ungeschickt, denn es gibt viele Vorbehalte gegen „übermotivierte Bewerbungskandidaten“. Und dies könnte man Ihnen leicht unterstellen. „Was schon so lange ohne Arbeit…“ Könnten die Gedanken, wenn nicht sogar die Worte Ihres Gegenübers sein. Wollen Sie das hören? Sicherlich nicht!

Also thematisieren Sie Ihren Status diesbezüglich nicht. Stattdessen bringen Sie durchaus zum Ausdruck, wie interessiert, wie hoch motiviert Sie an diesem oder jenem Thema bzw. Projekt sind. Und das Sie gerne mithelfen würden, etwas dazu beizutragen hätten… Auf die eventuelle Frage nach Ihrer aktuellen Tätigkeit, antworten Sie mit Hinweisen in Richtung persönliches Engagement, Privat-Forschung, wissenschaftliche Vertiefung, Weiterbildung und dergleichen. Ganz unklug wäre es, die sicherlich nicht unwahre Antwort zu geben: arbeitslos. Warum? Weil sie desillusioniert, Ihr Gegenüber in Verlegenheit bringen könnte, nahezu zwingt etwas verbindlich Tröstliches zu sagen.

Das tut aber keiner gerne, schon gar nicht unfreiwillig und das wollen Sie ja auch nicht hören, hilft es Ihnen doch nicht die Bohne. Also verdeutlichen Sie im Gespräch an den von Ihnen bevorzugten Orten und beruflich geprägten Zusammenkünften Ihre Kompetenz, Ihr großes Interesse. Bieten Sie Ihre Unterstützung an und verteilen Sie Ihre Visitenkarte nach einem sympathischen Small Talk. Man soll Sie in bester Erinnerung behalten, Sie gerne wieder treffen wollen, Interesse an Ihrer Person entwickeln. Und das erreichen Sie so viel sicherer. Vertrauen Sie ruhig Ihrem Gefühl.

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