Zeitung Heute : An Jürgen Hesse Büro für Berufsstrategie

Wie viel Gehalt kann ich fordern?

An Jürgen Hesse

Mein Chef geht in den Ruhestand, und ich bin sein designierter Nachfolger. Ich weiß ungefähr, was er verdient. Er ist 65 Jahre, ich 43. Kann ich für die gleiche Position das gleiche Gehalt fordern, oder muss ich einen Altersabschlag in Kauf nehmen?

Ihre Frage impliziert, mit dem Gehalt Ihres Chefs wären Sie relativ zufrieden. Sie befürchten jedoch einen Abschlag (quasi freiwillig) anbieten, wenn nicht sogar mit freundlichem Gesicht hinnehmen zu müssen, den Sie für sich an Ihrem Alter festmachen. Das erscheint auch nicht unrealistisch und damit wäre die Frage schon beantwortet. Nutzen wir aber die Gelegenheit und verdeutlichen uns, worum es noch geht.

Sie quälen sich mit der Frage, ob Sie in etwa das gleiche Gehalt für die neue Position vorschlagen und erwarten dürfen oder nicht. Warum eigentlich nicht? Man hält Sie bestimmt nicht für schlechter als den ausscheidenden Chef. Angenommen Sie würden nur 50 Prozent dessen haben wollen – was würde man von Ihnen denken? Die Entscheider hätten möglicherweise den Eindruck, Sie selbst trauen sich diese Aufgabe nicht zu. Würden Sie dagegen 50 Prozent mehr Gehalt fordern, käme man auf der Entscheiderseite sehr wahrscheinlich zu dem Ergebnis, sich in Ihnen getäuscht zu haben.

Nun sind 50 Prozent mehr oder weniger Gehalt schon extrem. Welchen Eindruck hinterlassen 25 Prozent plus minus bei Ihnen? In der Tendenz doch nicht einen völlig anderen, oder? Bei Ihrer Gehaltsverhandlung kommt es also darauf an, geschickt vorzugehen und zunächst Ihrem Gegenüber den Vortritt zu lassen. Vielleicht mit der Frage, wie die Position denn ausgestattet sei. Wahrscheinlich wird man Sie aber auffordern, ein Angebot zu machen.

Dann tun Sie gut daran, eine Spanne von etwa 20 Prozent zu benennen. Sie sollten sich am Gehalt ihres Vorgängers orientieren. Wir nehmen hier einfach an, er hat so um die 100 Prozent plus einem variablen Anteil X verdient. Ihr Angebot: Fix zwischen 80 und 100 Prozent des Gehalts ihres Chefs plus den variablen Anteil von X. Dann ist Ihr Gegenüber dran. Will man das gleiche investieren, wird das Angebot bei etwa 90 Prozent liegen; will oder muss man sparen, wird es eher bei 80 Prozent landen. Ich drücke Ihnen die Daumen und empfehle unser Buch: „Garantiert mehr Gehalt!“ von Hesse/Schrader (Eichborn Verlag). Foto: promo

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