Zeitung Heute : an Jürgen Hesse Büro für Berufsstrategie

Psycho-Test: Soll ich ehrlich sein?

an Jürgen Hesse

Ich bin im Bewerbungsverfahren eines großen Konzerns. Offenbar gehört dazu auch ein Persönlichkeitstest. Sollte ich immer ehrlich antworten oder stelle ich mir damit selbst ein Bein?

Ganz ehrlich: Schummeln ist erlaubt. Denn was sagen Sie, wenn Ihre liebe Frau (oder Ihr lieber Mann) Sie mit der Frage überrumpelt: „Schatz, liebst Du mich noch?“ Nun, sofern Sie keine Lust auf eine Grundsatzdiskussion haben, antworten Sie: „Aber ja doch!“. Ganz ähnlich ist es bei Persönlichkeitstests: Passen Sie auf und überlegen Sie gut, was der Testanwender und zukünftige Arbeitsplatzanbieter von Ihnen wissen (besser: lesen) will. Und geben Sie ihm die erwartete Antwort. Sie sollten ihn allerdings nicht für so naiv halten zu glauben, die Antwort entspreche Ihrer wirklichen Überzeugung. Doch eines weiß er jetzt immerhin: Nämlich dass Sie wissen, worum es geht und worauf es ankommt. Und das macht den Testanwender zufrieden und Sie ganz bestimmt nicht unglücklich.

Das ganze erinnert ein wenig an eine Szene aus dem Zirkus, wenn der große starke Löwe durch den albernen Feuerreifen springt. Nicht weil er das wirklich schick findet oder weil er hofft, dass ihm das Publikum applaudiert. Sondern weil er spürt, dass es das ist, was von ihm erwartet wird. Und weil er weiß, dass er dafür er eine angenehme kleine Extrabelohnung bekommt. Genau deshalb springt er. So wie Sie besser das ankreuzen sollten, von dem Sie vermuten, dass es von Ihnen erwartet wird. Vielleicht nicht immer, aber doch meistens. Also, wollen Sie nun bitte springen – oder nicht? Foto: promo

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