Zeitung Heute : An Jürgen Hesse Büro für Berufsstrategie

Wie reagiere ich auf Headhunter?

An Jürgen Hesse

Kürzlich rief mich überraschend ein Headhunter an. Ich freute mich und gab offen Auskunft, weil ich an einem Jobwechsel interessiert bin. Über den potenziellen Arbeitgeber erhielt ich allerdings wenig Informationen. Jetzt meldete sich der Headhunter ein zweites Mal, behauptete aber, dass ein erstes Telefonat überhaupt nicht stattgefunden habe. Das hat mich verunsichert. Wie sind solche Anrufe generell einzustufen? Und wie soll ich mich jetzt verhalten?

Anders, um es kurz zu sagen. Ruft ein Headhunter bei Ihnen in der Firma an, ist zunächst deutliche Vorsicht geboten. Sie kennen diese Person nicht und können nicht beurteilen, wer der wahre Auftraggeber ist. Im schlechtesten Falle ist es sogar ihr jetziger Arbeitgeber, der Ihre Loyalität überprüfen lassen will oder Sie eventuell auf diese Weise schneller, weil galant und problemloser, loswerden möchte.

Aber selbst wenn keine unschöne Absicht hinter dem Anruf steckt, ist Vorsicht angesagt. Bevor Sie sich exponieren, sollten Sie zunächst mehr vom Anrufer erfahren, vor allem seine Rückrufnummer und Firma, um Ihrerseits Erkundigungen einziehen zu können. Das beauftragende Unternehmen erfahren Sie nicht unbedingt und sollten auch nicht darauf drängen. Korrekt arbeitende Personalsucher haben aber keine Schwierigkeiten damit, wenn Sie nach der Nummer fragen. Handelt es sich aber um die unbekannte Einmann-Personalberatung Müller, meist ehemalige Personalchefs, ist jede Vorsichtsmaßnahme Ihrerseits gerechtfertigt. Sicher erkennbar an der erstaunt bis pikierten Reaktion des Anrufenden, der Ihnen vorhält, Sie würden sich aber merkwürdig verhalten, und er könne ja auch andere Gesprächspartner kontaktieren. Soll er dann doch besser, denn das ist kein seriöses Geschäftsgebaren, wenngleich in diesem Feld in der Tat schon recht viel (Merkwürdiges) möglich, ja leider an der Tagesordnung ist.

Nun schreiben Sie, Sie hätten sich recht ausführlich am Telefon ausfragen lassen, also offen Auskunft gegeben und Ihrerseits keine Informationen bekommen, um welchen potenziellen Arbeitgeber es sich handelt. Dies wird sicherlich sehr häufig von Headhuntern so gehandhabt. Sie wollen möglichst alles wissen, ohne selbst viel von Ihrem Auftraggeber preiszugeben. Nur, darauf müssen und sollten Sie sich nicht so einfach und bedingungslos einlassen. Erstes Stoppzeichen: Sie bitten um Nennung des Unternehmens, bei dem der Headhunter arbeitet, und schlagen einen weiteren Gesprächstermin am Abend nach Dienstschluss in Ihren vier Wänden vor, von denen Sie sicher annehmen können, dass sie keine Ohren haben …

In der Zwischenzeit recherchieren Sie und ziehen möglichst viele Erkundigungen über das Sie kontaktierende Headhunter-Unternehmen ein. Erfolgt der Anruf dann am Abend unter Ihrer Privatnummer – nicht wenige Headhunter sind bei dieser Vorgehensweise schon recht abgekühlt und verlieren ganz plötzlich das Interesse –, bieten Sie Informationen gegen Gegeninformationen, Zug um Zug an. So ein Gespräch sollte Sie nicht dazu verführen, hemmungslos alles auszuplaudern, über sich, das Unternehmen und die Branche, in der Sie tätig sind. Das wird nicht einmal von halbwegs seriösen Headhuntern geschätzt, sondern disqualifiziert Sie eher als naiv und wenig professionell.

Wenn, wie in Ihrem Fall geschildert, der Headhunter sich dann scheinbar nicht mehr an das erstgeführte Gespräch erinnern kann, ist ihm vielleicht Urlaub anzuraten.

Ihnen jedenfalls empfehle ich, das Gespräch stark zu verkürzen. Erinnerungslücken sollten bei Profis auf diesem Gebiet eigentlich nicht vorkommen. Ihnen aber auch nicht. Sie sind sich doch sicher, dass nicht S i e etwas verwechseln. Foto: promo

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben