Zeitung Heute : an Klaus Pohl Bundesagentur für Arbeit, Berlin

Fahrkosten nur fürs Inland

an Klaus Pohl

Ich bin von Beruf Rettungssanitäter und seit einem halben Jahr arbeitsuchend. Da ich hier in Deutschland keine Chance sehe, einen Arbeitsplatz zu bekommen, habe ich meine aktive Suche auf die Schweiz erweitert und mich dort bei einem Arbeitgeber vorgestellt. Habe ich Anspruch auf Rückerstattung der Fahrkosten durch die Arbeitsagentur?

Leider nein. Nach dem Dritten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB III) können Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitsuchende sowie Ausbildungsuchende zur Beratung und Vermittlung unterstützende Leistungen erhalten, soweit der Arbeitgeber gleichartige Leistungen nicht erbringt oder voraussichtlich nicht erbringen wird. Die Betonung liegt auf „können“, denn auf diese Leistungen besteht kein Rechtsanspruch. Die Arbeitsagenturen entscheiden in jedem Einzelfall nach pflichtgemäßem Ermessen.

Als unterstützende Leistungen können Kosten unter anderem für die Erstellung und Versendung von Bewerbungsunterlagen in Höhe von bis zu 260 Euro jährlich sowie die Reisekosten bis zu einem Betrag von 300 Euro im Zusammenhang mit Fahrten innerhalb Deutschlands zur Berufsberatung, Vermittlung, Eignungsfeststellung und zu Vorstellungsgesprächen übernommen werden. Das heißt: Wer sich als Arbeitsloser oder Arbeitsuchender bei einem Arbeitgeber im Ausland vorstellt, bekommt die Reisekosten nicht erstattet.

Doch es gibt eine Ausnahme: Beziehern von Arbeitslosengeld oder -hilfe können die Kosten für die Fahrt zum Antritt einer Arbeitsstelle im europäischen Ausland in Höhe von bis zu 300 Euro der berücksichtigungsfähigen Fahrkosten erstattet werden. Als Reisekosten berücksichtigungsfähig sind die anfallenden Kosten der niedrigsten Klasse des zweckmäßigsten öffentlichen Verkehrsmittels, wobei mögliche Fahrpreisermäßigungen zu berücksichtigen sind. Anträge auf Erstattung der Kosten für die Erstellung von Bewerbungsunterlagen und auf Fahrkostenbeihilfe sind – auch bei einer selbst initiierten Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz – immer vor Entstehung der Kosten bei der Arbeitsagentur zu stellen.Foto: pr

- Haben Sie auch eine Frage?

Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Beruf@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel, Redaktion Karriere

10876 Berlin

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben