Zeitung Heute : an Klaus Pohl Bundesagentur für Arbeit

Fördergeld nur für Leute mit Konzept

an Klaus Pohl

Ich bin seit einigen Wochen arbeitslos und überlege, ob ich mich selbstständig machen soll – am liebsten mit Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit. Ich weiß, dass es die Ich-AG-Förderung gibt und auch Überbrückungsgeld. Was kommt für mich in Frage?

Sie haben wohl die berühmte Qual der Wahl, denn da sie erst kurze Zeit arbeitslos gemeldet sind, dürften Sie die Voraussetzungen beider Förderinstrumente erfüllen. Deren Zielgruppe sind nämlich Arbeitslosengeld- und bis Ende des Jahres Arbeitslosenhilfeempfänger sowie Beschäftigte in Arbeitsbeschaffungs- und Strukturanpassungsmaßnahmen, die eine hauptberufliche selbstständige Tätigkeit aufnehmen.

Als Überbrückungsgeld gibt es im Normalfall für sechs Monate einen Betrag in Höhe des Arbeitslosengeldes oder der -hilfe und eine Pauschale für Sozialversicherungsbeiträge. Das Überbrückungsgeld soll während der Startphase den Lebensunterhalt des Gründers sichern – deshalb die Anlehnung an die Lohnersatzleistung. Voraussetzung für eine Förderung mit Überbrückungsgeld ist die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle über die Trägfähigkeit des Gründungsvorhabens. Vor dem Besuch bei zum Beispiel Kammern sollte deshalb ein Besuch der Arbeitsagentur stehen.

Diese Empfehlung gilt auch für alle, die einen Existenzgründungszuschuss beantragen wollen. Auch sie brauchen voraussichtlich ab der zweiten Novemberhälfte eine Stellungnahme über die Tragfähigkeit ihres Ich-AG-Projekts. Fällt das Gutachten positiv aus, gibt es einen Zuschuss, der die soziale Absicherung unterstützen soll und der im ersten Jahr 600, im zweiten Jahr 360 und im dritten Jahr 240 Euro monatlich beträgt. Nicht gefördert wird, wer mehr als 25 000 Euro im Jahr netto erwirtschaftet.

Welche Fördervariante vorteilhafter ist, kann nur individuell beantwortet werden. Gründer mit – zunächst – bescheidenen Wachstumserwartungen fahren mit der Ich-AG meist besser. Übersteigt das Einkommen voraussichtlich schon im ersten Jahr 25 000 Euro, ist Überbrückungsgeld oft besser.

Empfänger des ab 2005 gezahlten Arbeitslosengeldes II haben übrigens keinen Anspruch auf Überbrückungsgeld oder einen Existenzgründungszuschuss. Bei Aufnahme einer tragfähigen selbstständigen Tätigkeit kann aber ein Einstiegsgeld gezahlt werden. Über die Notwendigkeit, Höhe und Dauer entscheiden die für das Arbeitslosengeld II zuständigen Stellen. Foto: pr

– Haben Sie auch eine Frage?

Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Beruf@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Karriere & Beruf,

10876 Berlin

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben