Zeitung Heute : An Klaus Pohl Bundesagentur für Arbeit

In der Elternzeit kündigen?

An Klaus Pohl

Mein Mann und ich erwarten ein Kind, ich gehe bald in Mutterschutz. Wir wohnen in Berlin. Ich arbeite in Hamburg und bin deshalb nur am Wochenende in Berlin. Meine Arbeit werde ich wegen der Erziehung meines Kindes wohl nicht mehr fortsetzen können. Falls ich in der Elternzeit kündige, habe ich dann sofort Anspruch auf Arbeitslosengeld oder gilt eine Sperrzeit?

Mütter und Väter haben gegenüber ihrem Arbeitgeber einen Anspruch auf Elternzeit, bis das Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat. Mit Zustimmung des Arbeitgebers kann ein Anteil von bis zu zwölf Monaten der maximal dreijährigen Elternzeit auch auf die Zeit bis zum achten Geburtstag des Kindes übertragen werden. Die Elternzeit muss spätestens sechs Wochen vor ihrem Beginn schriftlich beim Arbeitgeber beantragt werden, wenn sich die Elternzeit unmittelbar an die Geburt des Kindes oder an die Mutterschutzfrist anschließen soll. Bei einer achtwöchigen Schutzfrist nach der Geburt bedeutet dies, dass spätestens zwei Wochen nach der Geburt des Kindes die Elternzeit beantragt werden muss.

Gleichzeitig muss erklärt werden, für welche Zeiträume innerhalb von zwei Jahren die Elternzeit beansprucht wird. Die darüber hinausgehende Elternzeit, die mit Zustimmung des Arbeitgebers noch bis zum achten Geburtstag des Kindes genommen werden kann, muss erst acht Wochen vor ihrem Beginn verbindlich festgelegt werden. Während der gesamten Dauer der Elternzeit besteht grundsätzlich Kündigungsschutz.

Grundsätzlich können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer während der Elternzeit kündigen. Bei einer Kündigung zum Ende der Elternzeit ist eine Kündigungsfrist von drei Monaten einzuhalten. Bei einem Antrag auf Arbeitslosengeld wird durch die Agentur für Arbeit eine zwölfwöchige Sperrzeit geprüft, da ein eigene Kündigung ein Sperrzeittatbestand ist. Eine Sperrzeit tritt nicht ein, wenn ein wichtiger Grund für die Kündigung des Arbeitnehmers vorliegt. Der Arbeitsort der Leserin liegt nicht im Tagespendelbereich. Es wäre ihr nicht zuzumuten, in der Woche über von Kind und Ehemann getrennt zu leben und damit das Kindeswohl zu gefährden. Um mit ihrem Mann und dem Kind die Erziehungsgemeinschaft herzustellen und da dies im Interesse des Kindes liegt, wäre ein wichtiger Grund zur Arbeitsaufgabe gegeben.

In so einem Fall muss man sich nach einer Kündigung zum Ende der Elternzeit unverzüglich bei der Arbeitsagentur persönlich arbeitsuchend melden, damit gegebenenfalls eine Arbeitslosigkeit durch ein neues Beschäftigungsverhältnis am Wohnort vermieden werden kann. Für einen Anspruch auf Arbeitslosengeld ist eine Arbeitsbereitschaft von mindestens 15 Wochenstunden notwendig. Wird aus einer Vollbeschäftigung heraus eine Teilzeitstelle gesucht, reduziert sich das Arbeitslosengeld entsprechend.

– Haben Sie auch eine Frage?

Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Beruf@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Karriere & Beruf,

10876 Berlin

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!