Zeitung Heute : an Klaus Pohl, Bundesagentur für Arbeit

Arbeitslosengeld nach Teilzeit?

an Klaus Pohl

Ich bin seit 25 Jahren vollzeitbeschäftigt, möchte aber jetzt wegen der prekären wirtschaftlichen Situation meines Arbeitsgebers auf Teilzeit umstellen. Eine Beschäftigung über das Jahr 2007 hinaus ist derzeit nicht eindeutig absehbar. Wenn ich arbeitslos werde, richtet sich das Arbeitslosengeld dann nach meiner Vollzeit- oder der Teilzeitbeschäftigung?

Für die Berechnung des Arbeitslosengeldes wird grundsätzlich auf das Brottoarbeitsentgelt aus versicherungspflichtigen Beschäftigungen der letzten zwölf Beschäftigungsmonate vor der Entstehung des Anspruchs auf Arbeitslosengeld zurückgegriffen. Wenn Sie durch Teilzeitvereinbarung mit Ihrem Arbeitgeber ihre Arbeitszeit reduziert haben, werden bei Arbeitslosigkeit diese Zeiten unter bestimmten Umständen bei der Bemessung des Arbeitslosengeldes nicht berücksichtigt. Dabei hängt die Bemessung davon ab, wie lange Sie Ihre Teilzeitbeschäftigung vor Eintritt in die Arbeitslosigkeit ausgeübt haben. Entscheidend ist, dass Sie einen zusammenhängenden Zeitraum von sechs Beschäftigungsmonaten mit Vollzeitarbeit innerhalb der letzten dreieinhalb Jahre vor der Entstehung des Anspruches auf Arbeitslosengeld nachweisen können. Wenn Sie danach Ihre Arbeitszeit nicht nur vorübergehend durch Teilzeitvereinbarung um mindestens fünf Stunden vermindert haben und die verbliebene Arbeitszeit weniger als 80 Prozent der durchschnittlichen regelmäßigen Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeitbeschäftigten betragen hat, bleibt der Zeitraum mit der verminderten Arbeitszeit bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes außer Betracht. Das Arbeitslosengeld orientiert sich dann an Ihrem Arbeitsentgelt während der vorherigen Vollzeitbeschäftigung. Das gilt jedoch nur, wenn hiervon mindestens 150 Tage in die zwei Jahre vor Entstehung des Arbeitslosengeldanspruchs fallen.

Kann die Agentur für Arbeit für Sie diesen Bemessungszeitraum nicht feststellen, so wird das Arbeitslosengeld auf der Basis einer gesetzlich festgelegten Arbeitsentgeltstufe – abhängig von Ihrer Qualifikation für den für Sie in Betracht kommenden Arbeitsmarkt – berechnet. Die Höhe des Arbeitslosengeldes richtet sich auch nach der Bereitschaft, zukünftig wieder Vollzeit zu arbeiten. Wenn Sie weiterhin „nur“ an einer Teilzeitbeschäftigung interessiert sind, vermindert das entsprechend das Bemessungsentgelt. Haben Sie Ihre Teilzeitbeschäftigung bei eintretender Arbeitslosigkeit länger als drei Jahre ausgeübt, ohne sechs Monate an zusammenhängender Vollzeitbeschäftigung, wird Ihr Arbeitslosengeld nach dem erzielten Arbeitsentgelt in der Teilzeitbeschäftigung berechnet. Foto: promo

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