Zeitung Heute : An Peter Müller Anleihe-Analyst der Commerzbank

Verlustrisiko Auslandsanleihe

An Peter Müller

Auslandsanleihen versprechen hohe Zinsen. Welche Risiken bestehen, und für welche Anleger kommen sie in Frage?

Bevor man als Anleger der Verlockung hoher Zinsen ausländischer Anleihen erliegt, sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass an den Finanzmärkten noch mehr als im richtigen Leben gilt: Nichts ist umsonst. Hinter dem Zinsaufschlag stehen nämlich ein Wechselkurs- und oftmals auch ein Bonitätsrisiko. So macht es keinen Sinn, die Rendite deutscher Staatsanleihen mit der Rendite von Schuldverschreibungen ausländischer Unternehmen zu vergleichen. Als Vergleichsmaßstab sollte immer die Rendite einer Anleihe eines Schuldners aus der Eurozone mit vergleichbarer Bonität herangezogen werden. Da die Bundesrepublik Deutschland immer noch als sehr guter Schuldner gilt, erweisen sich oft selbst ausländische Staaten als schlechtere Schuldner.

Dem um ein eventuelles Bonitätsrisiko bereinigten Zinsvorteil steht dann mit dem Wechselkursrisiko der Anlage in ausländischen Festverzinslichen ein bedeutendes Risiko gegenüber. Nach der Theorie entspricht der Zinsvorteil dem jährlichen Kursverlust der ausländischen Währung und somit kann mit der Anlage im Ausland keine höhere Rendite als im Inland erzielt werden. Gerade bei den Wechselkursen unterscheidet sich aber die Theorie deutlich von der Praxis: Der Kursverlust entspricht in den seltensten Fällen genau der Zinsdifferenz. Oft übersteigt er den Zinsvorteil und die Anlage in einem ausländischen Wertpapier erweist sich im Vergleich zur Anlage am heimischen Markt als ein Verlustgeschäft. Die Erfahrung bei Anlagen in ausländischen Anleihen zeigt zweierlei: Erstens, die Währungsentwicklung und nicht die Zinsdifferenz bestimmt letztlich den Erfolg der Anlage, und zweitens, die Währungsentwicklung lässt sich (leider) sehr schwer vorhersagen.

Das Risiko einer Anlage in ausländischen Anleihen ist auf Grund des Währungsrisikos also relativ hoch. Von daher empfehlen wir diese Papiere nur als Beimischung im Depot und raten nur Anlegern zu solchen Anleihen, die bereit sind, sich schnell von den Papieren zu trennen und notfalls auch Verluste zu realisieren. Darüber hinaus sollte darauf geachtet werden, dass die ausländischen Anleihen an einer Börse gehandelt werden. Foto: promo

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