Zeitung Heute : An Worte glauben

Andrea Dernbach

Einen Tag nach dem Auftakt der Islamkonferenz hat sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zur Integration der Muslime in Deutschland bekannt. Wie geht es jetzt mit der Konferenz weiter?


Nach der Feier wird gearbeitet. Deshalb tagt die Deutsche Islamkonferenz von nun an in vier Arbeitskreisen weiter – zum ersten Mal am 8. und 9. November in Nürnberg, wo auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seinen Sitz hat. Die Behörde soll die Arbeit der Konferenz künftig organisieren. Was am Mittwoch in Berlin vor der feierlichen Kulisse des Schlosses Charlottenburg begann, ist nämlich – wie es in der Erklärung des Bundesinnenministeriums heißt – „als langfristiger Verhandlungs- und Kommunikationsprozess zwischen dem deutschen Staat und Vertretern der in Deutschland lebenden Muslime“ geplant. An dessen Ende, in etwa zwei bis drei Jahren, soll es für das Verhältnis zwischen Staat und Muslimen eine „tragfähige Grundlage“ geben.

Damit das funktioniert, wächst die Konferenz in Nürnberg über den Kreis der 30 Teilnehmer von Schloss Charlottenburg hinaus. Zu den fünfzehn Vertretern von Bund, Ländern und Gemeinden und den fünfzehn Repräsentanten der Muslime werden Islamexperten aus Wissenschaft und Medien stoßen, heißt es im Innenministerium. Und die Konferenz sortiert sich nun wie jedes andere Unternehmen, das funktionieren soll, nach Aufgaben: Dem Grundsätzlichen widmet sich der Arbeitskreis „Deutsche Gesellschaftsordnung und Wertekonsens“. Hier wird unter anderem über Gleichberechtigung, Demokratie, kulturelle Vielfalt und Familie debattiert werden. In einem Arbeitskreis „Wirtschaft und Medien“ geht es um Arbeitsmarktchancen von Muslimen und den Abbau von Vorurteilen, nicht nur in den türkischen, sondern auch in den deutschen Medien. Ein zusätzlicher Kreis beschäftigt sich mit „Sicherheit und Islamismus“. Dort sollen Rezepte entwickelt werden, um islamistische Gewalt zu entdecken und ihr möglichst vorzubeugen.

Die heikelsten Aufgaben dürfte der Arbeitskreis „Religionsfragen“ zu lösen haben. Hier wird es nämlich unter äußerlich unverfänglichen Überschriften wie „Umgang mit religiösen Symbolen“ auch um das seit Jahren umstrittene Kopftuch gehen. Und hier wird man sich auch die ebenfalls alte offene Frage vorlegen, wer denn die Muslime dem Staat gegenüber vertritt, wenn es um Islamunterricht geht, um öffentliches Geld oder um Rechte wie das, in Rundfunkräten mitzureden. Dass muslimische Gemeinden nicht hierarchisch organisiert sind und keine förmliche Mitgliedschaft kennen wie die christlichen Kirchen, ist ein Problem, das ihre Vertreter inzwischen selbst sehen. Ein bisschen hoffen sie sogar auf den einigenden Zwang durch die Islamkonferenz: „Wir wollen keine Kirchen werden“, heißt es aus dem Kreis der von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble geladenen Muslim-Organisationen. „aber doch so einheitlich wie möglich. Bisher stehen wir uns noch zu oft selbst im Wege.“

Wie das Mammutprogramm in den geplanten zwei bis drei Jahren zu bewältigen ist, ist in etlichen Details noch ungeklärt. Wenn alles nach Plan läuft, werden die Arbeitskreise alle sechs Monate Zwischenergebnisse präsentieren, zum ersten Mal also im Frühjahr 2007. Bis zu je zwanzig Teilnehmer seien für die vier Arbeitskreise vorgesehen, heißt es im Innenministerium. Wer die Berichte formuliert, wem und wie schließlich Bericht erstattet wird, ist aber noch nicht entschieden. Als Nächstes wird zumindest klar sein, wer wo mitarbeitet. Die Teilnehmerlisten seien bereits in den nächsten zwei Wochen fertig, heißt es.

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