Zeitung Heute : Andere Städte, andere Projekte

Harald Olkus

Berlin hat zwar den größten Gewerbeimmobilienmarkt in Deutschland. Der erfolgreichste ist es aber noch lange nicht. Dieses Ergebnis kann die bayrische Landeshauptstadt München für sich verbuchen. Dort findet vom kommenden Montag an auch die Gewerbeimmobilien-Messe "Expo Real" statt. Sie wird neben der Leitmesse "Mipim" in Cannes in der Branche immer wichtiger. Erst seit vier Jahren gibt es diese Ausstellung, und bislang konnte sie jedes Mal mit neuen Rekorden aufwarten: Rund 880 Aussteller haben sich in diesem Jahr angemeldet - etwa sechs Mal so viel wie im Startjahr. Heute ist allein der Anteil der ausländischen Aussteller fast so hoch wie damals die Gesamtzahl der Teilnehmer. Das internationale Interesse wird von der Messeleitung auch besonders betont. Unternehmen aus 19 Ländern haben sich in diesem Jahr für die Veranstaltung angekündigt.

Durch die wachsende Zahl der Aussteller und Besucher ist auch der Flächenbedarf gestiegen. 25 000 Quadratmeter beansprucht die Messe in diesem Jahr, zu viel für den bisherigen Standort. Deshalb wird die "Expo Real" zum ersten Mal auf dem Messegelände München Riem stattfinden.

Wie bereits üblich, finden auch diesmal verschiedene Foren statt, auf denen die wichtigsten Trends in der Gewerbeimmobilien-Branche vorgestellt und diskutiert werden sollen. Speziell auf Investoren und Anleger ist die Veranstaltung: "Büroimmobilien: Leerstände nach Fusionen und Umstrukturierungen" zugeschnitten. Abflauende Konjunktur, der zunehmende Wettbewerbsdruck durch die Globalisierung, Personalabbau und die demografische Entwicklung führe langfristig zu einer sinkenden Nachfrage nach Büroflächen, meint die Dresdner Bank Immobiliengruppe. Sie ist Veranstalter dieses Forums. Unter diesen Voraussetzungen werde die Qualität einer Immobilie immer wichtiger.

Deshalb gehen das IPS Institut für Projektmethodik und Systemdienstleistungen zusammen mit den Bertelsmann Fachzeitschriften der Frage der "Office Performance" nach. Darunter werden die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit eines Gebäudes verstanden. Kriterien dafür sind unter anderem die Ertrags- und Wertentwicklung der Immobilie, die Bewirtschaftungskosten, die Nutzungsintensität und -qualität, die Flexibilität und das Angebot von Serviceleistungen. Und nur wenn die Performance stimmt, hat das Gebäude auch eine Zukunft.

Interessant für Berlin dürften auch die Trends auf dem Markt für Hotelimmobilien sein. In diesem Bereich hat die Stadt schließlich einen richtigen Aufschwung erlebt. Das Immobilienunternehmen Jones Lang LaSalle hat sich dieses Themas angenommen und informiert über "Konzepte, Projekte und bessere Renditen". Der größte Trend hier dürfte der Verdrängungswettbewerb sein, bei dem Ketten und Kooperationen die kleinen Privatanbieter immer mehr beiseite schieben. Auf dem deutschen Markt ist nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands die Zahl der Ketten und Kooperationen mit 130 Gesellschaften und 3166 Hotels im Jahr 2000 weiter gestiegen.

Gleichzeitig versuchen die großen Gesellschaften über eine Mehrmarkenstrategie unterschiedliche Zielgruppen für sich zu gewinnen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Astron Gruppe, die in Berlin gleich mehrere Hotels in verschiedenen Kategorien betreibt. Jeweils auf verschiedene Zielgruppen ausgerichtet sind Business- und Ferienhotels sowie Nischenprodukte wie Design- und Eventhotels.

Durch die zunehmende Globalisierung und den allgemeinen wirtschaftlichen Trend zum Outsourcing ganzer Unternehmensteile gewännen vor allem Logistikimmobilien an Attraktivität. Sie werden deshalb erstmals ein Schwerpunktthema im Bereich der Spezialimmobilien auf der "Expo Real" sein. Für Deutschland hat das Immobilienunternehmen Jones Lang LaSalle einen Gesamtbestand von 11,4 Millionen Quadratmetern an modernen Lagerflächen ausgemacht, die auf 400 Einzelobjekte verteilt sind. Die Messe will das vorhandene Angebot an diesen Flächen mit den Nutzern - nationale und internationale Logistikdienstleister - zusammenbringen.

Ein ganzer Messetag ist dem Dauerbrenner Facility Management gewidmet. Das Marktvolumen für diese Dienstleistungen beträgt rund 100 Milliarden Mark pro Jahr - Tendenz weiter steigend. Der Trend geht hier klar zu Anbietern, die Komplettlösungen erbringen können.

Weitere Themen sind das Internet und die Architektur. Während in einer Veranstaltung Immobilienportale auf den Prüfstand gestellt werden sollen, wird auf dem Architekturtag versucht, das nicht ganz unproblematische Verhältnis von Architekten und Investoren näher zu beleuchten.

Makler schätzen an der Münchner Messe vor allem, dass sich die gesamte deutsche Immobilienbranche auf einem Punkt versammele und man dort gute Gespräche führen könne, sagt Christine Buwitt von Angermann Immobilien. "Man bekommt einen kompakten Überblick über das ganze Land und lernt die Projekte in anderen Städten kennen." Bei der gegenwärtigen Marktlage erwartet sie allerdings nicht, mit abgeschlossenen Mietverträgen im Aktenkoffer aus München zurückzukehren. "Aber auch die Gespräche mit Kollegen und Immobilieneigentümern sind wichtig."

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