Zeitung Heute : Anderen helfen, besser klar zu kommen

Mentoren und Tutoren erklären, wie die Uni funktioniert – oder wie türkischstämmige Schüler ticken.

Foto: Ljiljana Nikolic
Foto: Ljiljana Nikolic

Ich hätte am Anfang meines Studiums bestimmt einiges anders gemacht, wenn ich die nötigen Insider-Informationen gehabt hätte. Das war auch ein Grund, dass ich mich entschlossen habe, beim Famos-Fachmentorenprogramm mitzumachen. Wir begleiten internationale Studierende, die einen grundständigen Studiengang an der HU studieren, als studentische Mentoren in ihrem Uni-Alltag. Die Mentees kommen aus dem eigenen Fachbereich, zurzeit kümmere ich mich um eine südkoreanische BWL-Studentin. Eigentlich soll man sich nur ein paar Mal im Semester treffen. Aber wir sind Freundinnen geworden und sehen uns öfter. Außerdem organisieren wir bei Famos Koch-Abende, Ausflüge und interkulturelle Workshops.

Daria Godovikova studiert Germanistische Linguistik und Betriebswirtschaftslehre.

Die Russisch- und Türkisch-Tutorien, an denen ich mitwirke, richten sich an Lehramtsstudierende. Ein Deutscher wundert sich, wenn ein Türke sagt, „ich gehe Schule“. Aber wenn man weiß, dass es im Türkischen keine Präpositionen gibt und grammatische Funktionen durch das Anhängen von Silben ausgedrückt werden, bekommt man ein besseres Gefühl dafür, wie Fehler bei Muttersprachlern entstehen. Genau das möchte ich bei den Teilnehmern erreichen. Wir befassen uns auch mit kulturellen und landeskundlichen Aspekten, diskutieren etwa das türkische Bildungssystem oder die Rolle der türkischen Frauen. Das Tutorium soll den Teilnehmern helfen, später mit der türkischstämmigen Schülerschaft besser klar zu kommen.

Mehdi Özgören studiert im Masterstudiengang Deutsch und Wirtschaftspädagogik auf Lehramt.

Sich am Anfang an einer großen, anonymen Universität zurecht zu finden und gleichzeitig nach Wohnung und Job zu suchen, ist oft ein Balanceakt, der schwer zu meistern ist. Und vor genau dieser Herausforderung stand die Erstsemester-Studentin, die ich im Programm „Von Frau zu Frau“ vergangenes Semester begleitet habe. Es richtet sich an Studentinnen, die aus nichtakademischen Familien stammen und die durch Studentinnen und Promovendinnen im Studienalltag unterstützt werden. Bei unseren Treffen ging es um Themen wie Stundenplan- und Prüfungsorganisation, aber auch um Studienfinanzierung oder Stressvermeidung. Ich selbst habe durch Mentoring goldene Ratschläge für meine Promotion erhalten und finde es wichtig, mein Wissen weiterzugeben.

Myriam Naumann promoviert am Institut für Kulturwissenschaft.

Ich habe am Anfang meines Studiums an allen Veranstaltungen der Jura-Fachschaft teilgenommen: In der Informationswoche lernt man die Professoren kennen, wird in die Geheimnisse der Studienordnung eingeweiht, erkundet per Rallye Uni und Umgebung und unternimmt eine Erstsemesterfahrt. Später habe mich selbst in der Fachschaft engagiert. Ich war für Erasmus-Studierende und Universitätswechsler zuständig. Die häufigsten Fragen lauteten: Wo kann man Deutsch lernen? Wie findet man einen Job? In unserem Büro kann man auch alte Jura-Klausuren und Hausarbeiten einsehen. Das hilft nicht nur ausländischen Studierenden. Zurzeit wirke ich als studentisches Mitglied in der Ausbildungskommission der Fakultät mit.

Zura Karaulashvili studiert Jura.

(Protokolle: Ljiljana Nikolic)

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