Zeitung Heute : Andrea Thilo erzählt im Film über ihre Abenteuerreise nach Warschau

Alexandra Hahn

Es ist jetzt zwei Jahre her. Die Moderation von "Liebe Sünde" lag schon ein Weilchen hinter ihr, ihr Magazin "TNT" war gerade wegen zu niedriger Einschaltquoten abgesetzt worden. Mitten in diesem "Tal der Tränen" traf sich Andrea Thilo mit zwei guten alten Bekannten - und plötzlich lag die Idee für ein neues Projekt in der Luft: "Boomtowns". Filme über boomende Städte, die Abenteuer versprechen. Städte, die im Aufbruch sind, wie Warschau; die aus den Nachrichten herausgefallen sind, wie Sarajewo oder Athen; die kaum bekannt sind, wie Kiew.

Aus der Idee wurde der Pilotfilm "Warschau-Express", den die ARD am Karfreitag um 19 Uhr 15 ausstrahlt. Und aus dieser Idee heraus ist auch die Produktionsfirma BoomtownMedia entstanden, die Thilo mit ihren beiden Partnern, den Filmemachern Uwe Dierks und Thomas Grube, betreibt. "Ich wollte nach etwas machen, das wirklich meine Leidenschaft ist - das sind Sprachen, das sind andere Länder". Thilos Wunsch ist es, die Lebensgeschichte einer Stadt anhand der Lebensgeschichten ihrer Menschen zu erzählen. "Ich möchte Menschen begeistern für das, was wir entdeckt haben. Mit meiner ganzen Energie", sagte Thilo auf einer Pressekonferenz im Berliner Polnischen Kulturinstitut. Gekommen waren nicht nur Journalisten, Vertreter der polnischen Botschaft und des Polnischen Kulturinstitutes, sondern auch Teilnehmer des Filmes, die während der Dreharbeiten zu Freunden wurden.

Zum Beispiel Anna Krzeminska, 23, die in dem 45-minütigen Film mit Andrea Thilo in einer Kirche flüsternd über den Papstbesuch in Polen spricht. Sie gehe zwar normalerweise nicht in die Kirche, räumt Anna ein. Als aber der Papst da war, sei sie doch dort gewesen. Und mit ihr alle ihre Freunde, eigentlich aufgeklärte junge Leute, die vom Auftritt des Papstes aber doch sehr berührt gewesen seien. "Sowohl mich selbst als auch unser ganzes Land finde ich in dem Film wieder", sagt sie.

Der Film beginnt sehr atmosphärisch: In rotem Abendlicht rollen die Räder eines Zuges in Großaufnahme über die glänzenden Schienen. Ein Schaffner streckt die Nase in den lauen Fahrtwind des offenen Flurfensters. Die "Hauptdarstellerin", eine junge Frau im schwarzen Kleid, sitzt in einem engen Abteil und wird von den polnischen Grenzbeamten aufgefordert, ihren Pass vorzuzeigen. Um 6 Uhr 23 kommt sie in Warschau an. Erst dann hört man Thilos einführende Stimme aus dem Off. Sie will den Zuschauer durch ein 24-stündiges Abenteuer in Warschau führen.

14 Drehtage brauchte der Film, davor hatte es schon eine einwöchige Recherchereise gegeben. Karteikarten und Merkzettel füllten den Abteilboden auf der Rückfahrt der ersten Reise, danach schrieb Thilo zu Hause mit ihren Partnern das Drehbuch. "Viele Polen haben wir zufällig oder durch Weitervermittlungen kennengelernt", erzählt Thilo. So auch die Studentin Agnes, die Deutsch lernt, den Taxifahrer Jerzy, der als Kind im Warschauer Ghetto war, eine Drag Queen oder Polens größten Popstar, Natalia Kukulska. Thilos Begegnungen mit den Warschauern sind einfühlsam und bewusst subjektiv. Vielleicht stolpert der Zuschauer auch deshalb ein paar Mal über unlogische Schnittfolgen - auf eine Ankunft im Restaurant folgt zum Beispiel sogleich der Aufbruch. Doch die polnische Musik, Spiegel der Melancholie im grauen Warschau und der Lebenslust der aufstrebenden Jugend, trägt den Zuschauer darüber hinweg. "Ob es weitere Filme geben wird, hängt auch von der Quote ab", sagt Hans-Jürgen Börner, Fernseh-Ziehvater von Andrea Thilo und Leiter der Programmgruppe Aktuelles und Dokumentation beim NDR. Unabhängig von der Quote ist der Film ein Erfolg für alle, die mitgemacht haben. Am Karfreitag werden sie sich zu einer Party in Berlin treffen.

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