ANGELA RICHTER INSZENIERTBerlin Bambilon : Pop und Porno

Sandra Luzina

Angela Richter ist die derzeit angesagteste Regisseurin Hamburgs – und eine Frau mit guten Verbindungen. Zu ihren künstlerischen Mitstreitern gehören schon seit längerem der malende und performende Maniac Jonathan Meese und der Tocotronic-Vorsänger Dirk von Lowtzow. Zusammengearbeitet haben die Drei schon bei der Trilogie „Die Schönen und Verdammten“ auf Kampnagel und bei der Inszenierung „Verschwör Dich gegen Dich“, die auf John Cassavetes’ Film „Love Streams“ basierte. Die smarte Hamburg-Clique macht sich nun daran in Berlin Bambilon, Teil 1, „Jeff Koons“, das bislang letzte Theaterstück von Rainald Goetz, zu zerlegen.

Das Projekt klingt schwer ambitioniert. Rund zehn Jahre nach Entstehen des Stücks sei es an der Zeit, so wird verlautbart, „einen Rückblick auf die radikale Bejahung des Textes zu werfen und zu untersuchen, in welcher Weise der Weltentwurf des Stücks jenseits von Pop noch existiert.“ Auf einen gewissen Pop-Appeal setzt aber auch Richter bei ihrer Inszenierung, denn es geht um Themen wie Ausgehen, Kunst, die Verbindung von Schrott und Kitsch oder um Sex. Kleine Textprobe: „Sie poppen / sie ficken / sie tun es / sie machens.“ Die Stationen dieses Künstlerdramas, das auch ein Popmärchen ist, sind: das Atelier und das Bett, die Kneipe „Palette“ und die Galerie, wo bei der Ausstellungseröffnung das große Geschwätz anhebt. Die Rausch- und Erschöpfungszustände werden in einer stark rhythmisierten Sprache beschrieben. Der Pop- und Porno-Künstler Jeff Koons kommt im Stück übrigens gar nicht vor – sein Name ist für Goetz ein „Hallraum“, der tausend Assoziationen wachruft. Sandra Luzina

HAU 1, Fr 9.5., 19.30 Uhr (Premiere), Sa 10.5. bis Mo 12.5., 19.30 Uhr, 11 €, erm. 7 €

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