Zeitung Heute : Angeschwärzt

Der Tagesspiegel

Wie oft noch? Wie oft muss die SPD-Führung noch hören, dass die Aufklärung der Kölner Spendenaffäre Vorrang haben muss, weil die Partei sonst auch nicht besser dasteht als die Union? Was haben sich die Großen der Sozialdemokratie über ahnungslose CDU-Granden hergemacht; was hat sich Franz Müntefering über Angela Merkel und Wolfgang Schäuble erbost. Deshalb ist die CDU jetzt so nachtragend, darum versucht sie, ihr Mütchen zu kühlen: weil sie die Chance sieht, dass sich Müntefering in einen ähnlichen Streit mit Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier verstrickt wie seinerzeit Schäuble mit Brigitte Baumeister. Zugegeben, ganz dasselbe ist es nicht. Aber die öffentliche Wirkung ist vergleichbar nachhaltig. Die Wähler werden es in Erinnerung behalten, zumal die CDU-Affäre ja noch nicht ganz vergessen ist. Dieser Umstand, der der SPD im Wahlkampf hätte helfen können, verkehrt sich ins Gegenteil – wenn das so weitergeht. Nun hat nach dem Generalsekretär die Schatzmeisterin ihren Teil dazu beigetragen. Eine Spenderliste mit geschwärzten Namen zu übergeben, ist entweder dreist oder gut gemeint. Überzeugend ist beides nicht, nur provozierend. Da wäre es verständlich, wenn dem Ausschussvorsitzenden der Kragen platzen würde. Einmal als Chef im Untersuchungsgremium, zum anderen als Sozialdemokrat. Vielleicht würde auf ihn die SPD-Führung ja hören. cas

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