Zeitung Heute : Angriff auf dänische Botschaft in Pakistan

Mindestens sechs Tote bei Bombenexplosion / Deutsche Geisel in Afghanistan offenbar ermordet

Frank Jansen

Islamabad/Kopenhagen/Berlin - Bei einem schweren Bombenanschlag auf die dänische Botschaft in Islamabad sind am Montag nach pakistanischen Regierungsangaben mindestens sechs Menschen getötet worden. Rettungskräfte sprachen von acht Toten. Dänemarks Außenminister Per Stig Møller teilte am Abend mit, unter den Todesopfern sei auch ein Däne pakistanischer Abstammung. Von den 16 pakistanischen Ortskräften der Botschaft seien zwei ums Leben gekommen. Die Gesamtzahl der Verletzten betrage 34. Ein mit Sprengstoff gefülltes Fahrzeug flog an der Botschaftsmauer in die Luft, wie Sicherheitskräfte mitteilten.

Zur Tat bekannte sich zunächst niemand. Ein Geheimdienstmitarbeiter sagte, es habe in den vergangenen Monaten Hinweise auf einen möglichen Angriff auf die dänische Botschaft wegen der umstrittenen Mohammed-Karikaturen gegeben. Die Zeichnungen waren zunächst im September 2005 in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ erschienen und wurden in mehreren Ländern nachgedruckt, auch in Deutschland. Im Februar 2008 präsentierten dänische Blätter die Karikaturen erneut, nachdem deren Zeichner, Kurt Westergaard, einem Mordanschlag entgangen war. Zwei Monate später rief der Vizechef des Terrornetzwerks Al Qaida, Aiman al Sawahiri, über das Internet in einer Drohbotschaft dazu auf, dänische Einrichtungen anzugreifen. Ende April hatte Dänemark seine Botschaften in Algerien und Afghanistan aus Furcht vor Terroranschlägen zeitweise geschlossen. Die dänische Vertretung ist in einem reichen, gesicherten Wohngebiet in Islamabad untergebracht, nicht im abgeriegelten Diplomatenviertel, in dem unter anderem die deutsche Botschaft liegt.

Im Fall des in Afghanistan entführten Deutschen Harald K. gibt es offenbar keine Hoffnung mehr. Der im Dezember 2007 verschleppte K. sei vermutlich tot, erfuhr der Tagesspiegel am Montag aus dem Umfeld der Bundesregierung. Es sei davon auszugehen, dass die Geiselnehmer den aus Bayern stammenden Schreiner erschossen haben. Schon seit Monaten gebe es kein Lebenszeichen von K., außerdem hätten sich die Entführer nicht mehr gemeldet. Bereits im April sei die Hoffnung geschwunden, K. könnte die Geiselnahme überleben, hieß es in Regierungskreisen.

Der Schreiner hatte in Herat im Nordwesten Afghanistans eine Werkstatt betrieben. Die Entführer verschleppten den damals 42-jährigen K., als er zum nördlich gelegenen Ort Totechi fuhr. Der Hintergrund der Entführung ist nicht klar. Wahrscheinlich sei ein Racheakt des Clans der Frau, die der zum Islam übergetretene K. in Afghanistan geheiratet hatte, sagten Experten dem Tagesspiegel. Der Schreiner habe offenbar die Mitgift seiner sehr jungen Braut versilbert, um Schulden zu begleichen. Das verstoße gegen die Ehre des Clans. Harald K. galt auch in Deutschland als dubiose Figur. Wegen Betrügereien wurde er mit Haftbefehl gesucht. Seit 2003 lebte K. in Afghanistan, wo er den Namen Abdul Rahman annahm. Die Entführer hatten diffuse Forderungen gestellt. Mal wollten sie 50 000 Dollar Lösegeld, dann wurde die Freilassung von Personen verlangt, die in Afghanistan inhaftiert waren und angeblich zu den Taliban zählten.

Im Juli 2007 hatte bereits der deutsche Bauingenieur Rüdiger D. eine Entführung in Afghanistan nicht überlebt. Die den Taliban nahestehenden Geiselnehmer erschossen D., der mit ihm verschleppte Rudolf Blechschmidt kam im Oktober wieder frei.mit AFP/dpa

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