Zeitung Heute : Angriffe auf US-Websites: Hacker-Attacken auf chinesisch

Das US-Verteidigungsministerium rüstet sich gegen einen erwarteten massiven Hacker-Angriff aus China. Das Pentagon ist Informationen des US-Fernsehsenders ABC zufolge auf Alarmstufe Alpha gegangen, um sich gegen mögliche Angriffe in den kommenden Tage zu wappnen. Es seien inzwischen bereits mehrere Webseiten von US-Ministerien und auch der Navy verändert worden.

Attacken in Chat-Räumen

Nach Ansicht eines deutschen Internet-Experten handelt es sich bei den befürchteten Hacker-Attacken aber noch um eine Auseinandersetzung mit relativ primitiven Mitteln. Der Spezialist Andy Müller-Maguhn von der weltweiten Internet-Verwaltung ICANN (mit Sitz in den USA) sagte: "Da sind noch keine richtigen Computerspezialisten am Werk, sondern lediglich erboste chinesische Bürger."

Das FBI und das US-amerikanische Verteidigungsministerium befürchteten, dass chinesische Hacker vom 1. Mai an Angriffe auf Webseiten von US-Regierungsstellen unternehmen könnten, bestätigte eine Pentagon-Sprecherin dem Fernsehsender. Das Nationale Zentrum zum Schutz der Infrastruktur (NIPC) meldete, dass chinesische Hacker in Chat-Räumen Attacken öffentlich angekündigt hätten.

Wie die "New York Times" in ihrer Ausgabe vom vergangenen Sonntag berichtete, wurden bereits erste Webseiten von amerikanischen Ministerien Opfer chinesischer Hacker. So erschien auf der Webseite des Arbeitsministeriums eine Würdigung des chinesischen Piloten, der vor ein paar Wochen bei dem Zusammenstoß mit einem amerikanischen Spionageflugzeug ums Leben kam. Auf der Webseite des Gesundheitsministerium tauchte am Samstag das Foto eines Chinesen in Uniform auf. Einige Tage zuvor wurden nach Angaben der Pentagon-Sprecherin auch Webseiten der Navy verunstaltet.

Das Pentagon erwägt nach Informationen von ABC, die Alarmstufe weiter zu erhöhen. Der Angriff werde vermutlich in Form einer so genannten Denial-of-Service-Attacke erfolgen. Dabei werden die Computer mit einer riesigen Menge Datenmüll beschossen, bis sie unter dem Datenansturm zusammenbrechen.

Nach Informationen von NIPC nutzen die chinesische Hacker einen "Internet-Wurm" mit dem Namen "Lion" (Löwe), der sich wie ein Virus auf Computern einnistet und sie damit zu unwissentlichen Komplizen einer "Denial-of-Service"-Attacke macht. Im vergangenen Jahr hatten Hacker die Webseiten der größten Internetfirmen wie Yahoo mit solchen Angriffen zusammenbrechen lassen.

Andy Müller-Maguhn sagte, einen "Informationskrieg" zwischen Chinesen und Amerikanern gebe es bislang noch nicht. Er wolle die Situation aber keinesfalls verharmlosen. Gefährlich werde es aber erst, wenn sich "militärische Subeinheiten" beider Länder auf derComputerebene bekämpfen würden, sagte der deutsche Internet-Experte und Sprecher des Chaos Computer Club.

Kriegserklärung

Dann könnten auch wichtige Systeme lahm gelegt werden. Das wäre somit eine echte kriegerische Auseinandersetzung ohne vorherige Kriegserklärung. Vor so etwas hätten besonders die US-Amerikaner große Angst. In den USA sei die Vorstellung viel weiter verbreitet als zum Beispiel in Europa, dass das öffentliche Leben zusammenbreche, wenn das Internet nicht mehr funktioniere.

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