Anhalter Bahnhof : Oscar und die Hunde

Es gibt eine bewährte Methode, kleinen Hunden beizubringen, dass sie klein sind. Man steckt sie in ein XXL-T-Shirt. So lernen sie, ihre Körpergröße und Stärke richtig einzuschätzen. Besonders bei Jack-Russell-Terriern ist dieses Trainingsprogramm zu empfehlen – sonst sind sie nicht zu halten und fürchten nichts. Die Rasse wurde im frühen 19. Jahrhundert von einem Pfarrer namens John Russell gezüchtet, der gern zur Jagd ging. Die Stammmutter nannte er Trump, und in einem Buch über den hundeverrückten Geistlichen aus Oxford heißt es: „Die Beine sind pfeilgerade, die Pfoten perfekt. Die Lenden und die Gestalt des ganzen Rahmens weisen auf Unerschrockenheit und Ausdauer hin, während die Größe und das Gewicht dem einer ausgewachsenen Füchsin entsprechen.“

Das waren jetzt aber schon mal 25 Hundezeilen, was 170 Menschenzeilen entspricht und längst die Kolumne hier sprengt. Aber das ist die Art der Terrier. Sie stören, sie stürmen herein, und sie machen die Menschen glücklich, die sich gern von den schnuffligen Windbeuteln nerven lassen. Der berühmteste von ihnen hört auf den Namen Uggie, ist zehn Hundejahre alt und damit schon im Rentenalter. Aber was zählt das bei Schauspielern? Uggie gibt an der Seite und auf dem Arm von Jean Dujardin die Hauptrolle in „The Artist“, einem der großen Oscar-Favoriten 2012. Am Sonntag werden in Los Angeles die Academy Awards verliehen. Wenn die Vorzeichen nicht trügen, steht der Stummfilm mit Terrier vor einem Triumph.

In Cannes hat Uggie schon den „Palm Dog Award“ bekommen und kürzlich in den USA auch das „Goldene Halsband“ für filmschaffende Tiere. Aber mit einem Oscar (eigentlich ein schöner Hundename) wird es so direkt nichts. Laut Statut dürfen nur Zweibeiner die Statue nach Hause tragen. Einen Stern auf dem Walk of Fame könnte dem Jack Russell allerdings zugestanden werden, wie einst Lassie.

Jedenfalls ist der Hund drin in diesem Jahr. Auch Martin Scorseses „Hugo Cabret“, der andere starke Oscar-Anwärter, schickt einen Hund ins Rennen, einen fiesen Polizei-Dobermann; und später spielen auch noch zwei Dackel eine Liebesszene und brechen das zwischenmenschliche Eis.

Hunde, Terrier zumal, haben eine lange Hollywood-Tradition, in der Krimiserie „Dünner Mann“ und natürlich in „Leoparden küsst man nicht“ mit Katharine Hepburn und Cary Grant. Da bringt zum Happy End der süße kleine Kläffer das Skelett eines Brontosaurus zum Einsturz. Er hatte sich bei dem Knochen verschätzt. Rüdiger Schaper

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