Anhalter Bahnhof : Playbacks und Quarterbacks

Die größte Showbühne der westlichen Welt steht am Sonntag im Superdome-Stadion von New Orleans. Sie wird auf das Football-Feld geschoben, wenn die San Francisco 49ers und die Baltimore Ravens zur Halbzeit des Super-Bowl-Finales von ihren Spielmachern, den Quarterbacks, in die Kabinen geführt werden. Traditionell steht dann ein hochkarätiges Pop-Spektakel an.

Von Michael Jackson, der vor genau 20 Jahren sang, über Prince und die Stones bis hin zum „Nippelgate“-Auftritt von Janet Jackson und Justin Timberlake, ist hier immer XL-Entertainment geboten. Rund 75 000 Zuschauer werden auf den Rängen dabei sein und mehr als 800 Millionen vor dem Fernseher. Manche schalten sogar nur wegen der Show ein. So sahen im vergangenen Jahr bei Madonnas Auftritt durchschnittlich drei Millionen mehr Menschen zu als beim Spiel selbst. Die Queen of Pop bekam viel Lob, und dank Gastsängerin M.I.A., die kurz ihren Mittelfinger in die Kamera hielt, gab es sogar ein paar Skandalschlagzeilen.

Einen ähnlichen Erfolg rechnet sich auch Beyoncé Knowles aus, die diesmal für die Half-Time-Show gebucht ist. Nach ihrem Auftritt bei Barack Obamas zweiter Amtseinführung ist das ihr zweiter Mega-Coup innerhalb weniger Wochen – und die Chance, die Lästereien über ihre in Washington nur als Playback vorgetragene Nationalhymne zum Verstummen zu bringen. Beim Super Bowl erwartet ohnehin niemand eine Live-Performance, hier muss vor allem die Show stimmen. Glitzer, Konfetti, Tanz, Trallala. In der Viertelstunde darf keine Sekunde Langeweile aufkommen.

Gerüchten zufolge wird die 31-Jährige als Erstes ihren Hit „Crazy In Love“ von 2003 singen. Sicher ist, dass es eine Bühnenreunion von Destiny’s Child geben wird: An Beyoncés Seite werden sich Kelly Rowland und Michelle Williams gesellen, mit denen sie einst das immens erfolgreiche Trio gebildet hat. Zu den mehr als 60 Millionen verkauften Destiny’s-Child-Alben sollen jetzt noch ein paar dazukommen: Anfang Februar erscheint eine Sammlung ihrer besten Liebeslieder sowie ihr erster neuer Song seit neun Jahren. Er heißt „Nuclear“, und natürlich werden die drei ihn in New Orleans singen. Allerdings ist die von Pharrell Williams produzierte R’n’B-Nummer ein bisschen brav geraten. Kein Instant-Hit, sondern eher etwas für eine romantische Cruising-Tour. Da sollte sich Beyoncé auf jeden Fall noch einen zusätzlichen Effekt einfallen lassen. Es muss ja nicht gleich ein „Kostüm-Unfall“ sein, eine live gesungene A-cappella-Einlage würde vielleicht schon reichen. Nadine Lange

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