Anhalter Bahnhof : Wo die Nächte lang sind

Da schleicht sich die Theatersaison so hin, keine besonderen Vorkommnisse, und plötzlich passiert was. Ein Frühlingserwachen. Breitspurig kündigt sich der Umzug der Staatsoper ins Schillertheater an. So muss das sein in Berlin. Klein-klein und vornehm leise zieht nicht. Das hat auch Ulrich Khuon, der neue Intendant des Deutschen Theaters, erfahren müssen. Mit seiner stillen Art ist er nach einem Dreivierteljahr hier noch nicht richtig angekommen – im Gegensatz zum jovial-raubautzigen Jürgen Flimm, dem designierten Staatsopern-Chef, der sein Amt offiziell erst im September antritt.

Doch nun hat Khuon einen großen Coup gelandet. Heute eröffnen am DT die ersten Berliner Autorentheater- Tage, ein Festival neuer deutschsprachiger Dramatik. Khuon hat die Reihe vom Hamburger Thalia-Theater mitgebracht. Ein gewaltiges Unternehmen, handelt es sich doch um ein Gipfeltreffen zeitgenössischer Autoren: Dea Loher, Elfriede Jelinek, Sibylle Berg, René Pollesch, Roland Schimmelpfennig und viele andere, die noch zu entdecken sind. Khuon gibt ihnen eine Plattform in der Hauptstadt, in der es junge Theaterautoren schwerer haben als anderswo. Was wiederum mit dem rauen Berliner Klima zu tun hat.

Schon vor dem Start sind die Gastspiele im Deutschen Theater ausverkauft. Man sieht: Der Berliner Theaterhunger ist unersättlich, das hauptstädtische Publikum kennt keine Krisen. Neue Spiele, neue Konstellationen. Die Autorentheater-Tage treten in Konkurrenz mit dem traditionellen Theatertreffen der Berliner Festspiele. Welche Leistungsschau ist aussagekräftiger? In der diesjährigen Auswahl – das Theatertreffen beginnt am 7. Mai – tauchen auch Schimmelpfennig, Dea Loher und das Deutsche Theater wieder auf.

Immer mehr Festivals, immer mehr Disziplinen. Wie bei Olympia. Am Sonnabend steigt die zweite „Lange Nacht der Opern und Theater“, an der sich 68 Berliner Bühnen beteiligen. Morgen erscheint dazu im Tagesspiegel eine Beilage mit allen Routen und Programmen. Und am 17. April lädt das Deutsche Theater zum Abschluss seiner neuen Reihe zu einer – was denn sonst? – „Langen Nacht der Autoren“. Masse ist in Berlin eine Klasse für sich. Rüdiger Schaper

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