Zeitung Heute : Animateure: Professionelle Ferienbetreuer arbeiten hart, damit andere im Urlaub Spaß haben

Nike Weiss

"Animateur klingt gleich so negativ, nach Leuten, die immer nur den Pausenclown am Pool spielen," findet Renate Brandl aus Regensburg. Die 31-Jährige arbeitet seit Jahren als Animateurin und baute den Aerobicbereich des ersten deutschen Robinson Clubs an der Mecklenburgischen Seenplatte auf. Animateure werden dort Robins genannt.

Im Club gibt es drei große Abteilungen. Zum Sport gehören unter anderem Tennis, Ski, Fitness und Wassersport. Im Bereich Familie wird Kinder- und Jugendbetreuung angeboten - darunter Ausflüge, Sport und Kinderdiskos. Hier arbeiten Pädagogen und Erzieher, gern mit Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik. Im dritten Bereich, dem Entertainment, werden Shows auf die Bühne gebracht. Dazu schreiben Regisseure vereinfachte Kurzfassungen von populären Musicals, die mit Tanzchoreografen und den Clubmitarbeitern produziert werden - Bühnendekoration, Bühnentechnik und Kostümschneiderei inbegriffen.

Um in einem Ferienclub zu arbeiten, muss man Qualifikationen für einen der drei Bereiche mitbringen. Besonders gern gesehen sind Leute, die zusätzlich etwas anzubieten haben, beispielsweise wenn ein Surflehrer singen oder ein Instrument spielen kann. Da sich alle um die Gäste kümmern, sind in jedem Fall sehr gute kommunikative Fähigkeiten gefragt.

Mit Menschen umgehen - das steht bei Robinson an erster Stelle. Schließlich wird von allen Mitarbeitern erwartet, dass sie sich mit den Gästen unterhalten. "Das sind meistens Freiberufler oder Selbstständige so zwischen 30 und 50 Jahre alt. Die erwarten nicht immer nur Small Talk, sondern auch mal Unterhaltung auf hohem Niveau," erklärt Brandl. Eine gute Allgemeinbildung und Umgangsformen sind trotz entspannter Urlaubsatmosphäre gefragt.

Nicht nur die Ferienclubs, auch größere Hotelanlagen stellen mittlerweile Animateure zur Gästebetreuung ein, hier sind allerdings vorwiegend Sportler gefragt. Etwa 100 Stellen als Freizeitlehrer, wie der Beruf im Arbeitsamtsjargon heißt, sind bei den Ämtern derzeit gemeldet. Es lohnt auch, direkt bei den großen Touristikunternehmen nachzufragen - der Bedarf ist da.

Der Tag eines Animateurs beginnt um 9 Uhr mit einer Teamsitzung inklusive Bereichsleiter, auf dem das Tagesprogramm durchgesprochen wird. Danach gehen die Mitarbeiter in ihre Bereiche, unterrichten Sport, unternehmen etwas mit den Kindern oder bereiten die Shows vor. Von allen wird auch ein Engagement in der Küche erwartet: Zwei, drei Mal pro Woche steht ein Robin am Kochtopf. "Da kann aber nicht viel schief gehen, weil die Köche alles vorbereiten. Die Zutaten stehen quasi wie bei Biolek schon immer alle fertig neben dem Herd," erklärt Brandl. Gegen 19 Uhr geht es an die Bar, wo die Gäste unterhalten und auf den Abend eingestimmt werden. "Manche denken, die wollen auch mal ihre Ruhe haben, doch viele freuen sich, wenn im Club was los ist," beschreibt Brandl die Atmosphäre.

In einem Club zu arbeiten ist Dienstleistung pur: Der Gast steht im Mittelpunkt, von den Mitarbeitern wird Belastbarkeit erwartet. Dafür bieten Clubs ein vielseitiges Betätigungsfeld: "Das ist nicht so, wie im Reisebüro, wo man hauptsächlich im Computer nach freien Flugplätzen sucht. Im Club gibt es viele Berufe, die man für sich ausprobieren kann, zum Beispiel als Künstlerin im Atelier, als Bühnenbauerin bei den Shows oder als Tourleiter bei den Ausflügen." Dabei hält die Regensburgerin das unmittelbare Feedback der Gäste für eine wichtige persönliche Erfahrung. "In ein paar Monaten im Club kann man Dinge lernen, wofür andere Jahre brauchen. Manche fühlen sich allerdings schnell als Star und müssen zwischendurch auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.", betont Brandl.

Der typisch Werdegang eines Animateurs? "Die Animateure sind im Club die mit dem buntesten Lebenslauf, originelle Typen eben. Da gibt es auch den Kfz-Mechaniker, der irgendwie mit Unterhaltung und Show angefangen hat, der reden kann und gut am Mikro ist.", erzählt Brandl. Das wichtigste sei, dass jemand sich bewusst für die Arbeit im Club entscheidet. "Man darf auf keinen Fall in die Gästebetreuung gehen, bloß weil einem nichts Besseres eingefallen ist." Und ihr persönlicher Tipp: "Wichtig ist, sich nicht treiben zu lassen, sondern Entscheidungen bewusst zu fällen."

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