ANIMATION„Für immer Shrek“ : Der vertauschte Tag

Shrek ist nicht mehr derselbe wie früher, als ihn Mensch und Tier fürchteten. Jetzt wechselt er die Windeln seiner drei Babys und lässt sich von Touristen bestaunen, die am Haus der berühmten Ogerfamilie vorbeikommen. Irgendwie gefällt ihm das nicht, er hat eine Identitätskrise. Bei der Geburtstagsfeier seiner Kinder flippt er aus, rennt davon – und tappt in eine Falle. Das böse Rumpelstilzchen schwatzt ihm einen Vertrag auf: Shrek bekommt einen Tag aus seinem wilden alten Leben und gibt dem Männlein dafür einen beliebigen Tag aus seiner Kindheit. Das katapultiert Shrek in eine finstere Parallelwelt, in der die Oger unterdrückt werden und das Rumpelstilzchen regiert. Fiona kennt ihn nicht und Kinder hat er auch keine.

Eine alternative Realität soll es also richten im vierten und letzten Teil der Shrek-Saga. Das klingt nach billigem Trick, erweist sich jedoch bald als gelungener Kunstgriff: Die Handlung hat Witz, Spannung und Zug – all das, was die bisherigen Fortsetzungen vermissen ließen. „Für immer Shrek“ wirkt, als hätten sich Regisseur Mike Mitchell und sein Team geschworen, die beiden Vorgänger vergessen zu machen und der Serie ein würdiges Finale zu geben. Tatsächlich erreichen sie erstmals wieder das Niveau des ersten Teils, mit dem es 2001 gelungen war, das Animationsgenre auch fürs erwachsene Publikum attraktiv zu machen.

Shreks Dialoge mit dem Esel sind endlich wieder lustig und nicht mehr nervig, der Kater – diesmal mit Garfield’schem Bauchumfang – ist für mehr gute Gags verantwortlich als in den letzten beiden Teilen zusammen. Hinzu kommt, dass es mit Rumpelstilzchen endlich wieder einen überzeugenden Bösewicht gibt. Er regiert das Königreich Weit Weit Weg mithilfe eines fiesen Hexenbataillons, hat aber auch Sinn für die repräsentativen Seiten seines Jobs: Eine schicke Mega-Diskokugel schmückt sein Schloss, und er selber wechselt je nach Stimmung die Perrücke. „Für immer Shrek“ wimmelt vor netten Details und Nebenfiguren. Alte Bekannte wie das Keksmännchen oder Pinocchio haben hübsche Auftritte. Fiona ist in der Parallelwelt die Führerin einer Oger-Widerstandsbewegung. Sie erinnern an die TV-Amazone Xena. Und so hat es Shrek nicht leicht, noch einmal ihr Herz zu erobern.

Die 3-D-Technik kommt vor allem bei den Kämpfen und Verfolgungsjagden zum Tragen. Wie die Hexen auf den Besen umherrasen, ist sehenswert, doch wirklich zwingend erscheint der Effekt nicht. Für den Erfolg des Films ist es ohnehin wichtiger, dass die typischen Zeichentrick-Tugenden Herz, Spaß und Timing wieder stimmen. Gut. Nadine Lange

USA 2010, 94 Min., R: Mike Mitchell

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