ANIMATION„Oben“ : Über den Wolken

Nadine Lange

Carl Fredricksen hatte ein erfülltes Leben. Denn er verbrachte es mit seiner großen Liebe Ellie. Und wenn auch ihre großen Träume (Kinder, Reisen) nicht wahr wurden, hatten sie immer noch sich. Ein Picknick auf dem Hügel war doch auch schön. Als Ellie stirbt, bleibt der 78-jährige Carl allein zurück.

Diese Vorgeschichte erzählt Regisseur Pete Docter („Die Monster AG“) in einer knappen Viertelstunde und fast ohne Worte. Er macht das so liebevoll und anrührend, dass man sich fragt, was jetzt noch kommen soll. Aber natürlich muss es wieder aufwärtsgehen für den ehemaligen Luftballonverkäufer Carl. Der sitzt seine Tage nur noch griesgrämig ab, lebt in der Erinnerung. Doch als er in ein Altersheim abgeschoben werden soll, damit sein Häuschen einem Wolkenkratzer weichen kann, erwachen noch einmal seine Lebensgeister: Mit Tausenden von Luftballons fliegt er samt Haus einfach davon. Versehentlich an Bord ist auch der achtjährige Russell, ein dicker, dauerplappernder Pfadfinder. Carl mag den kleinen Passagier überhaupt nicht, doch einfach rauswerfen kann er ihn auch nicht.

So kommt es zur klassischen Kino-Konstellation der Reisepartner wider Willen, die sich durch ein gemeinsames Abenteuer kennen- und liebenlernen. Ihr Trip nach Südamerika hat es dann wirklich in sich: Sie treffen auf einen schokoladefressenden Paradiesvogel, sprechende Hunde und einen wahnsinnigen Forscher, der an Charles Lindbergh erinnert.

Mit „Oben“, der dieses Jahr als erster Animationsfilm das Festival von Cannes eröffnen durfte, setzt Pixar seine Serie von Meisterwerken fort, in der zuletzt „Wall-E“ und „Ratatouille“ glänzten. Es ist zudem der erste 3-D-Film des kalifornischen Studios, wobei die neue Technik noch äußerst zurückhaltend eingesetzt wird. Zwar beeindruckt die Plastizität der Ballons und auch die der Landschaften, doch eigentlich funktioniert der Film auch ohne diese Effekte. Denn seine größte Stärke ist die herzergreifende Geschichte, die noch dazu voller lustigen Details steckt. In Puncto Witz und Spannung schlägt er den Konkurrenten „Ice Age 3“ um Längen.

Und wenn man am Ende von „Oben“ mit feuchten Augen im Kino sitzt, stellt man fest, dass die 3-D-Brille – Carl trägt übrigens ein ähnliches Modell – sich auch ganz gut als Versteck eignet. Wunderbares Abenteuer. Nadine Lange

„Oben“, USA 2009, 109 Min., R: Pete Docter,

Bob Peterson

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