Zeitung Heute : Animationsfilm: "Welten schaffen, die es vorher nicht gab" - Ein Interview

Herr Osterburg[der am Donnersta] der Film "Shrek"[der am Donnersta]

Stefan Osterburg ist der einzige Deutsche in der Crew der US-Animationsfirma PDI, die den Film "Shrek" gestaltet hat.

Herr Osterburg, der Film "Shrek", der am Donnerstag in die Kinos kommt, wird bereits als neuer Meilenstein gefeiert. Was hat sich geändert in der Animationstechnik?

Als ich mit Animationen am Computer angefangen habe, waren die Rechner noch so groß wie ein Kleiderschrank und höllisch langsam. Jetzt habe ich Dutzende solcher Rechner auf der selben Fläche, aber die Rechenzeit zur Umsetzung der Bilder ist praktisch gleich geblieben. Vergrößert hat sich die mögliche Detailfülle und da gibt es einfache Beispiele: Früher war es fast unmöglich, einen Baum darzustellen. In "Shrek" haben diese Bäume jetzt drei Millionen einzelne Blätter. Dabei spielt die Handlung an 36 verschiedenen Schauplätzen. Das was früher einfach undenkbar.

Welche Fortschritte kann der Kinozuschauer sonst noch bemerken?

Abseits von Rechnerleistung ist bei den Animateuren auch das Wissen um Naturabläufe gestiegen. Man weiß jetzt, wie diese mit Hilfe der Mathematik umzusetzen sind. Bei der Kleidung von Fiona, dem Matschbad von Hauptcharakter Shrek oder den Flammen des Drachen ist ja nicht nur der optische Effekt wichtig. Dahinter verbergen sich komplizierte Abläufe, die nicht mit einem Knopfdruck zu erledigen sind. Bis zu zehn Leute hocken da zusammen und grübeln über eine einzige Problemlösung.

Woran genau haben sie gearbeitet?

Ich habe an den "Secondary Characters" und dort vor allen Dingen an Vögeln gearbeitet. Die sind meistens im Hintergrund zu sehen und in einer Hauptszene, wo Prinzessin Fiona zusammen mit einem Vogel ein Lied singt. Für mich begann die Arbeit daran mit der Vorlage des Körperdesigns. Da bei unserer Firma PDI fast alle Softwareprogramme zur Animation selbst geschrieben sind, musste ich zuerst klären, welche Hilfsprogramme neu geschrieben werden müssen. Wir bauen also zuerst die Werkzeuge, damit überhaupt animiert werden kann, was der Zuschauer später auf der Leinwand sieht.

Im Prinzip muss für jeden Animationsfilm eine ganze Welt neu erschaffen werden?

Das ist ja gerade die Herausforderung und man hat immer den Ehrgeiz, es möglichst genau und interessant zu machen. Filme wie "Toy Story" oder "Antz" haben natürlich dazu beigetragen, das diese animierten Welten auch akzeptiert und gleichzeitig geschätzt werden. Eben weil man eine Welt erschafft, die es vorher nicht zu sehen gab!

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