ANIMATIONSFILM„Epic – Verborgenes Königreich“ : Schleimige Helden

Foto: Fox
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Professor Bomba hat einen Spleen: Er ist felsenfest davon überzeugt, dass im Wald um sein Professorenhäuschen ein Volk kleiner, aber menschenartiger Wesen lebt. Diesen versucht er mit Kameras und Horchgeräten auf die Spur zu kommen, doch mehr als ein paar verdächtige Artefakte wie winzige Gebilde in Speer- oder Helmform kann er nicht vorweisen. Etwas wenig für seine Tochter Mary Katherine, die nach dem Tod der geschiedenen Mutter notgedrungen zu ihrem Erzeuger zieht, in diesem aber nur einen weltfremden Spinner sieht.

Natürlich wissen wir zu diesem Zeitpunkt, dass der tollpatschige Professor recht hat: Im Wald gibt es wirklich Laubmenschen, die auf gezähmten Kolibris akrobatisch durch die Lüfte segeln und in friedlicher Eintracht mit den anderen Geschöpfen der Natur leben. Aber wie in jedem guten Märchen muss es natürlich eine Bedrohung geben, hier in Form einer unheiligen Allianz aus destrukiven Käfern, Krähen und anderem Kerbtiergekreuch, die aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen den Wald verrotten lassen wollen. Und Mary Katherine? Die wird durch einen Zauber der Waldkönigin auf Däumlingsformat geschrumpft und in das größte Abenteuer ihre Lebens hineingezogen.

Der neue Animationsfilm der Blue Sky Studios („Ice Age“) ist ein rasantes, spannendes und visuell überwältigend schönes Märchenabenteuer mit einem schlichten, aber effektiven Gut-Böse-Dualismus. Anders als in den besten Pixar-Filmen wie „Toy Story 3“ oder „Oben“ bleibt die (von Christoph Waltz synchronisierte) Figur des Hauptbösewichts Mandrake eindimensional – außer Rachsucht scheint es hinter seinem Treiben keine tiefere Motivation zu geben. Ähnliches gilt umgekehrt für die erzguten Laubmenschen, bei denen ein paar Verbalscharmützel zwischen dem heldenhaften Ronin und seinem aufbegehrenden Schützling Nod die einzigen Binnenkonflikte darstellen.

Dass „Epic – Verborgenes Königreich“ dennoch gelungen ist, liegt neben den obligatorischen Anspielungen auf Realfilme wie „Herr der Ringe“ auch an den tierischen Sidekicks: ein dreibeiniger Hund, eine philosophische Raupe (im Original gesprochen von Aerosmith-Sänger Steven Tyler) und vor allem die beiden vorlauten Schnecken Mub und Grub sind die heimlichen Helden in diesem federleichten, wenn auch insektenfeindlichen Kinospaß für Groß und Klein. Sehenswert. Jörg Wunder

USA 2013, 102 Min., R: Chris Wedge, mit den Stimmen von Amanda Seyfried, Josh Hutcherson, Colin Farrell, Christoph Waltz, Beyoncé Knowles

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