ANIMATIONSFILM„Merida – Legende der Highlands“ : Prinzessin mit Pfeil und Bogen

Foto: WDS
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Seit 17 Jahren versorgt uns das Animationsstudio Pixar zuverlässig mit einem Meisterwerk nach dem anderen: „Toy Story“, „Monster AG“, „Findet Nemo“, „Die Unglaublichen“, „Cars“, „WALL-E“, „Oben“, „Toy Story 3“ – so zuverlässig, dass man sich allmählich fragen musste: Wie lange kann so eine Glückssträhne halten? Immerhin brachten die zwölffach Oscarprämierten mit „Cars 2“ im letzten Jahr erstmals einen durch und durch mittelmäßigen Film heraus.

Zudem wurde Pixar vor sechs Jahren vom Disney-Konzern aufgekauft. Wird das Studio, so fragt man sich seither, seine besondere Eigenständigkeit verlieren? Nun also kommt Pixars erster Film mit Prinzessin in die Kinos. Man bewegt sich also endgültig auf traditionellem Disney-Terrain.

„Merida – Legende der Highlands“ erzählt die Geschichte einer jungen schottischen Königstochter. Vater Fergus, ein stämmiger, lebensfroher Krieger, und Mutter Elinor, pflichtbewusste Landesmutter, wollen Merida verheiraten. Doch die mutige Prinzessin hat ihren eigenen Kopf – und wenig Lust auf gesittetes Benehmen und die Gepflogenheiten des Hofes. Viel lieber reitet sie wild durch den Wald, ihre feuerrote Mähne im Wind. Auch mit Pfeil und Bogen macht ihr keiner was vor.

Als die Mutter gegen den Willen Meridas die Clans der benachbarten drei Reiche einlädt, um sie mit einem der Söhne zu vermählen, reißt Merida aus und sucht Hilfe bei einer Hexe. Doch deren Zauber fällt anders aus als erwartet – und Mutter und Tochter stehen vor Prüfungen, die sie nur gemeinsam meistern können.

„Merida“ ist der erste Pixar-Film mit weiblicher Hauptfigur, der erste auch von einer weiblichen Regisseurin. Und das merkt man – teilweise zumindest. Denn Brenda Chapman, die zudem die Geschichte erfand, wurde während der Dreharbeiten durch Mark Andrews ersetzt. Vielleicht liegt es daran, dass der Film wirkt, als hätte sich eine ursprüngliche Idee nicht voll durchsetzen können, als wäre man zu viele Kompromisse eingegangen. So wie es die Produktionen anderer Studios tun.

Keine Frage: „Merida“ ist ein schöner, sehenswerter Film mit reichlich Tempo, Witz und brillanter Animation in virtuos eingesetzter 3-D-Technik. Für ein Werk aus dem Haus Pixar aber ist die Geschichte, die hier erzählt wird, überraschend mutlos. Vor allem das recht gewöhnliche letzte Drittel passt einfach nicht zum vielversprechenden Anfang des Films. Flott. Sebastian Handke

USA 2012, 94 Min., R: Mark Andrews

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