Anish Kapoor im Martin-Gropius-Bau : Ballern für die Kunst

Der Turner Prize, seit 1984 die bedeutendste Auszeichnung für Gegenwartskunst in Großbritannien, galt, zumindest in den Anfängen, als Auszeichnung für schockfreudige Künstler, die polarisieren und ihr Publikum herausfordern. Anish Kapoor war 1991 Turner-Preisträger, er ist also ein verbriefter Grenzüberschreiter, und mittlerweile ein äußerst erfolgreicher. Die Ausstellungen des 1954 in Bombay geborenen Bildhauers sind nicht nur in seiner Wahlheimat London riesige Publikumserfolge, Kapoor bekommt millionenschwere öffentliche Aufträge, auch vertrat er Großbritannien 1990 bei der Venedig Biennale, 1992 zeigte er bei der Kasseler documenta einen schwarzen Trichter, der sich scheinbar unendlich in die Erde bohrte und den Betrachter förmlich einzusaugen drohte. Eine Neukonzeption dieser Arbeit wird im Martin-Gropius-Bau zu erleben sein, wo diese Woche die erste Einzelausstellung des Künstlers in Berlin beginnt.

70 Werke umfasst die Ausstellung, viele davon hat Kapoor eigens für das Erdgeschoss und den Lichthof im Gropius-Bau konzipiert. Es wird eine große Sache, alles andere wäre unangemessen. Kapoors Kunst ist monumental: komplexe Spiegelwelten, archaische Kanonen, die blutrote Wachskugeln auf saubere Galeriewände ballern, mächtige Steinskulpturen, die aussehen, wie die Spielzeuge eines Riesen. Kapoor veranstaltet Ritterspiele der Malerei, Farbe, Bildhauerei und Architektur fließen bei ihm ineinander, in seinen Environments hat der Besucher stets ein Alice-im-Wunderland-Gefühl, staunend betrachtet man diese Kunst. Kapoor übertreibt, er ist maßlos, so schafft er Neues – und manchmal maßlos gut. Birgit Rieger

Martin-Gropius-Bau, Sa 18.5. bis So 24.11., Mi-Mo 10-19 Uhr, 11 €, erm. 8 €

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