Zeitung Heute : Anne Will hat sich noch nicht versprochen

Hans Altona

Sportschau ARD. Eine junge Frau tritt vor die Kamera und moderiert mit Schwung, Freude an der Arbeit und offensichtlicher Kompetenz eine Sendung, in der es um Sport geht. Anne Will lächelt so fröhlich, als sei ihr eben ein Strauß bunter Herbstblumen überreicht worden. Entspannt und lässig steht sie da in ihrem Hosenanzug und parliert mit dem Ski-Springer Martin Schmitt über die Wechselfälle umlaufender Winde, als hätte sie nie etwas anderes getan.

Anne Will ist die erste Frau, die die "Sportschau" moderieren "darf", wie hier und da zu lesen war. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Sportschau darf sich bedanken, dass Anne Will ihr keinen Korb gegeben hat. Gegen die Riege der älteren Herren, die sich mehr oder weniger verkrampft durch ihre Floskeln kämpfen, steif und unbeweglich angesichts der großen Geister, mit denen sie so gern auf du und du stehen, wirkt Will wie ein Bach, der ein Bergmassiv unterspült.

Sie macht die Sache nicht gut, sie macht die Sache auf ihre Art. Und das könnte der Tante "Sportschau" vielleicht sogar noch eine Atempause bescheren, bevor sie, allen Trailern zum Trotz, im Orkus der TV-Geschichte verschwindet. Man könnte mäkeln. Und sagen, dass Anne Wills Stimme ein wenig blechern klingt. Peanuts angesichts eines Quantensprungs. Und versprochen hat sie sich auch nicht.

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