Zeitung Heute : Ans Risiko gekettet

Ein Ziel haben Angela Merkel und Nikolas Sarkozy am Freitag erreicht: Sie haben die Märkte beruhigt. Die privaten Gläubiger sollen nur auf freiwilliger Basis an dem neuen Hilfspaket für Griechenland beteiligt werden, verkündeten die Staatschefs. Kurz darauf stiegen in ganz Europa die Kurse. Vor allem Bankaktien wurden wieder gekauft. Die französischen Großbanken Société Générale, BNP Paribas und Crédit Agriculture gewannen bis zum späten Nachmittag jeweils mehr als zwei Prozent. Auch Commerzbank und Deutsche Bank legten zu.

Kein Wunder. Der deutsche Finanzminister hatte die Banken ursprünglich zwingen wollen, ihre Griechenland-Anleihen gegen Papiere mit schlechteren Konditionen zu tauschen. Und es sind vor allem die deutschen und die französischen Banken, die dem griechischen Staat geliehen haben.

Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) besaßen die französischen Institute am Ende des letzten Jahres griechische Staatsanleihen im Wert von rund zehn Milliarden Euro. Die deutschen Institute kamen auf knapp 16 Milliarden Euro, fast die Hälfte davon liegt in der Bad Bank der Hypo Real Estate. Zusammen halten sie zwei Drittel aller griechischen Anleihen, die überhaupt im ausländischen Besitz sind. Nur die griechischen Banken selbst haben ihrer Regierung noch mehr Geld geliehen. Entsprechend stieg der Athener Bankenindex am Freitag auch um mehr als sieben Prozent.

Dass deutsche und französische Banken griechische Staatsanleihen halten, ist aber nicht das größte Problem. Bei einem Schuldenschnitt von 50 Prozent würde die Deutsche Bank nicht einmal eine Milliarde Euro verlieren. Bei der Commerzbank wäre es zwar etwas mehr. „Das tut weh, ist aber verkraftbar“, sagt Ingo Frommen, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Auch die französischen Institute könnten eine Abwertung der griechischen Anleihen wegstecken. So halte die BNP Paribas zwar Papiere im Wert von 4,5 Milliarden Euro. Der Großteil sei aber durch Kreditausfallversicherungen abgesichert.

Dennoch hatte die Ratingagentur Moody’s in dieser Woche Zweifel an der Kreditwürdigkeit der französischen Banken angemeldet. Das liegt vor allem daran, dass die Institute in Griechenland selbst stark engagiert sind. Die Crédit Agricole etwa hat über eine Tochtergesellschaft Kredite in Höhe von 21 Milliarden Euro an griechische Unternehmen oder Privatleute verliehen.

 Würden die griechischen Anleihen zwangsweise abgewertet, könnte eine Kettenreaktion in Gang kommen, die EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark bereits mit den Auswirkungen der Lehman- Pleite verglich. „Bei einem Schuldenschnitt von 50 Prozent wären die griechischen Banken sofort pleite“, sagt LBBW-Analyst Frommen. Das würde nicht nur die griechische Wirtschaft lahmlegen. Anleger könnten Angst bekommen, dass weitere Länder Schuldenschnitte planen. Das würde die Kreditkosten verteuern. Und wenn ein Land wie Portugal Pleite ginge, kämen auch die spanischen Banken in Bedrängnis, die in Griechenland nur mit 500 Millionen Euro beteiligt sind. Und die Spanier wiederum schulden den Franzosen und den Deutschen Geld. „Im schlimmsten Fall würden die Banken einander überhaupt kein Geld mehr leihen“, sagt Frommen.

Das ist aber noch nicht alles. Für den Fall, dass Griechenland pleitegeht, haben viele Anleger Kreditausfallversicherungen, genannt CDS, abgeschlossen. Bei einer zwangsweisen Umschuldung, und sei sie noch so sanft, würden diese fällig werden. Um wie viel Geld es dabei geht, und wer es zahlen müsste, weiß niemand so genau. Kreditausfallversicherungen werden von Banken und Hedgefonds ohne Aufsicht der Behörden gehandelt. Für Frommen ist klar: „Das gibt Chaos.“

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