Zeitung Heute : Anspruchslose Exoten

Palmlilien brauchen ein Winterquartier – doch es gibt Ausnahmen

Tassilo Wengel

Pflanzenarten aus fernen Sonnenregionen werden bei uns überwiegend in Kübeln kultiviert, da sie die winterlichen Temperaturen in unseren Breiten nicht vertragen und einen frostfreien Standort für die kalte Jahreszeit benötigen. Denn sie mögen ein sehr warmes und trockenes Klima, wie es beispielsweise in den nord- und mittelamerikanischen Kurzgrasprärien herrscht, die an europäische Steppengebiete erinnern. Die Niederschläge fallen in diesen Regionen spärlich und versickern zudem recht schnell im porösen Untergrund.

Von dort kommen die Palmlilien (Yucca), die zur Familie der Agavengewächse (Agavaceae) gehören. Mit etwa 40 Arten sind sie von Nord- bis Mittelamerika zu Hause. Unter den zahlreichen Arten gibt es nur wenige, die den Winter bei uns ohne Schaden überstehen. Eine davon ist die Fädige Palmlilie (Yucca filamentosa), die in Gärten, aber auch in öffentlichen Anlagen gelegentlich anzutreffen ist. Sie stammt aus dem südlichen Nordamerika und ist von Florida und Mississippi bis Südcarolina verbreitet. An älteren Pflanzen erscheint im Juli ein prachtvoller Blütenstand, der bis knapp zwei Meter hoch werden kann. Er entspringt in der Mitte eines Blattschopfes aus langen schwertförmigen, blau bereiften Blättern und trägt am oberen Ende viele große elfenbeinfarbene Glockenblüten. Durch Züchtung entstanden zahlreiche Sorten, die mit unterschiedlichen Eigenschaften und Blütenfarben von weiß, weißgrün oder zart rosa getönt aufwarten. So hat die Sorte „Eisbär“ schlanke, graziöse weiße Blütenstände von 150 Zentimetern Höhe, „Fontäne“ wird nur 130 Zentimeter hoch und blüht cremegelb. Die Blüten der „Rosenglocke“ sind rosa getönt und die vom „Schellenbaum“ erreichen sogar Höhen von 180 Zentimetern und entfalten breite lockere Blütenstände mit großen weißen glockenförmigen Blüten.

Palmlilien gedeihen im Garten an einem vollsonnigen Standort und benötigen einen durchlässigen, am besten kalkhaltigen Boden. Als Einzelpflanze ist ihre Wirkung am stärksten. Damit die Yucca ihre volle Schönheit erreicht, muss man sie möglichst über viele Jahre am gleichen Platz stehen lassen. Ist das Verpflanzen – dabei sollten die dicken knolligen Rhizome geteilt werden – nicht zu vermeiden, brauchen Palmlilien meist mehrere Jahre, bis sie wieder blühen. Sie können allerdings Jahrzehnte alt werden.

Aus der Fülle der Arten sind einige auch als Kübelpflanze zu empfehlen, die allerdings an einem frostfreien Ort überwintern müssen. Besonders häufig ist die Aloeblättrige Palmlilie (Yucca aloifolia) in Kultur. Sie stammt aus dem Südosten der USA und reicht in ihrer Verbreitung bis nach Ostmexiko und Jamaika. Sie bildet einen schlanken Stamm, der mehrere Meter hoch werden kann, manchmal auch verzweigt ist und am Ende einen prachtvollen Blattschopf trägt. Er besteht aus zahlreichen 30 bis 45 Zentimeter langen schmalen blaugrünen Blättern, die am Rand gesägt sind. Von Juli bis August entfaltet diese Art einen Blütenstand, der mit Trauben von weißen oder gelblichweißen Blütenglocken geschmückt ist. Ihrem ursprünglichen Standort entsprechend benötigt die Pflanze viel Sonne und wenig Feuchtigkeit. Im Winter stellt man sie in einen hellen Raum mit Temperaturen zwischen sieben und zehn Grad Celsius und gießt nur wenig. Neben der grünblättrigen Art gibt es einige interessante Sorten mit bunten Blättern, beispielsweise „Quadricolor“ und „Tricolor“.

Interessant ist auch die HängeblattPalmlilie (Yucca recurvifolia) aus den amerikanischen Bundesstaaten Alabama, Georgia und Mississippi. Sie bildet viele lange Blätter, die am Ende eines bis zu 250 Zentimeter hohen Stammes in Schöpfen vereint sind. Sie erreichen eine Länge von rund 90 Zentimetern und sind etwa sechs Zentimeter breit. Im Sommer erscheint der Schaft mit zahlreichen cremefarbigen Glockenblüten, die einen Durchmesser von bis zu sieben Zentimetern haben. Auch von dieser Art gibt es Sorten mit panaschierten Blättern wie „Marginata“ und „Variegata“.

Eine sehr schöne Palmlilie ist Lord's Kerze (Hesperoyocca whipplei, syn. Yucca whipplei) aus Kalifornien. Sie hat in den meisten Fällen nur einen kurzen Stamm. Die dichten Blattrosetten bestehen aus einzelnen, bis 90 Zentimeter langen und zwei Zentimeter breiten, blaugrünen, sehr fein gezähnten Blättern. Der hohe Blütenstand erscheint im Sommer und trägt zahlreiche weiße bis cremefarbene Glockenblüten. Da leichte Fröste keinen Schaden anrichten, kann die Pflanze bis spät im Herbst im Freien stehen. Dann sollte man sie in einen hellen und frostfreien Raum stellen und recht trocken halten.

Bei allen Arten stirbt die Blüten bildende Rosette ab, und die Pflanze erzeugt mehrere Nebenrosetten. Um diese neuen Rosetten zu fördern, sollte man den abgeblühten Schaft tief unten abschneiden. Das Verpflanzen der als Kübelpflanzen kultivierten Arten erfolgt von März bis April. Allerdings erst dann, wenn das Gefäß zu platzen droht. Als Erde verwendet man eine humose, durchlässig und leicht kalkhaltige Mischung, wie Einheitserde oder Palmenerde.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben