Zeitung Heute : Anspruchslose Schönheiten

Herbstanemonen gedeihen am besten im lichten Schatten

Tassilo Wengel

Wenn im Spätsommer der Blütenreigen der Herbstanemonen beginnt, dann legt sich über manche Beete ein Hauch fernöstlicher Gartenkultur. Die wunderschönen Schalenblüten öffnen sich Anfang August und verwandeln den Garten bis zum Frost in ein Meer aus weißen, rosafarbenen oder purpurroten Blüten.

Die Geschichte dieser schönen Pflanzen reicht weit zurück. Schon lange kultivierte man sie in japanischen Gärten, wo 1844 eine halb gefüllte Form entdeckt und unter dem Namen Japan-Anemone (Anemone japonica) nach Europa gebracht wurde. Zu diesem Zeitpunkt wusste man allerdings nicht, dass alle herbstblühenden Anemonenarten in China oder angrenzenden Gebieten zu Hause sind und die in japanischen Gärten gefundene halb gefüllte Form schon lange in chinesischen Provinzen in Kultur war, bevor sie nach Japan gelangte.

Die Wildform fand man erst etwa fünfzig Jahre später am Naturstandort in China und brachte sie als Herbst-Anemone (Anemone hupehensis) nach Europa. Sie wird auch als Hupeh-Herbstanemone bezeichnet und wächst im mittleren und südwestlichen China. Dort besiedelt sie vor allem Grasländer und Gräben in Höhenlagen zwischen 400 bis 1800 Meter. Diese schwach behaarte Pflanze bildet einen Schopf dreifach gefiederte Grundblätter, zwischen denen sich von Juli bis Oktober ein Blütenstand von 50 bis 90 Zentimeter Höhe entwickelt. Dieser trägt zwei- bis dreifach verzweigte Trugdolden mit jeweils zwei bis drei purpurroten bis rosafarbenen Blüten. Die Wildart ist kaum in Gartenkultur. Dafür wurden einige schöne Sorten ausgelesen. Wegen ihrer Vitalität und dunklen Blütenfarbe ist die sehr wüchsige, rosarote „Praecox“ zu empfehlen, die von August bis Oktober blüht. Besonders große, hellrosafarbene Blumen mit einem Durchmesser bis zu acht Zentimeter bildet die Sorte „Septembercharme“. Sie wird 80 Zentimeter hoch und zeichnet sich durch gute Standfestigkeit aus. Den dunkelsten Farbton finden wir bei „Prinz Heinrich“, einer kräftig magentarot blühenden Sorte von 55 bis 120 Zentimeter Höhe.

Schließlich soll noch die 60 bis 80 Zentimeter hohe Sorte „Rosenschale“ erwähnt werden. Ihre Blüten sind sehr groß, rosafarben und werden von einem roten Rand geziert.

Um die Winterhärte dieser Pflanzen steht es nicht zum Besten, denn besonders im schneearmen Winter sind sie frostgefährdet. Da der Standort Einfluss auf die Winterhärte hat, empfiehlt sich ein geschützter, halb schattiger Platz vor Gehölzen. Außerdem ist eine schützende Laubschicht anzuraten.

Wer auf pflegeleichte Anemonen Wert legt, findet in der filzblättrigen Herbstanemone (Anemone tomentosa) den richtigen Partner. Sie kommt ebenfalls aus China, wo sie in Höhenlagen zwischen 1200 und 3400 Meter wächst und daher ohne Zweifel die härteste und wüchsigste Art ist. Aus einem dicken Wurzelstock entspringen drei bis vier dreigeteilte Blätter, die oberseits mit rauen und unterseits dicht mit wollig-filzigen Haaren bedeckt sind und bereits einen hohen Schmuckwert haben. Von Ende Juli bis Oktober bilden sich die rosaroten oder weißen Blüten. Im Handel wird vor allem die Sorte „Robustissima“ angeboten, deren dunkelrote Blumen sehr zahlreich auf fast meterhohen Stengeln erscheinen. Seltener wird die Sorte „Albadura“ angeboten, die etwa 80 Zentimeter hoch wird und aus rosafarbenen Knospen innen weiße, außen rosafarbene Blüten bildet. Eine noch wenig bekannte, gut winterharte wüchsige Sorte ist „Septemberglanz“, die ihre halb gefüllten Infloreszensen in seidigem Rosa von Mitte August bis Ende September entfaltet. Hohen Gartenwert besitzen auch Sorten, die als Anemone-Japonica-Hybriden im Handel sind. Sie enthalten Erbgut von Anemone tomentosa, teilweise auch von anderen Arten wie Anemone hupehensis oder Anemone vitifolia. Das Ergebnis sind kräftige Pflanzen mit prachtvollen, oft halb gefüllten Blüten von weiß bis dunkelrot.

Alle Vertreter dieser Gattung sind Waldhumuspflanzen und bevorzugen einen tiefgründigen, nährstoffreichen und durchlässigen Boden. Außerdem vertragen sie längere Trockenheit im Sommer nicht und reagieren darauf mit Eintrocknen der Knospen. Am besten gedeihen sie im lichten Schatten in der Nähe von Laubgehölzen, die den Pflanzen mit ihren abfallenden Blättern über den Winter einen zusätzlichen Schutz vor Kahlfrösten bieten.

Herbstanemonen gehören zu den wenigen Stauden, denen das Pflanzen und Verpflanzen im Frühjahr besser bekommt als im Herbst. Nur in milden Gegenden können in Töpfen angebotene Exemplare bis Anfang Oktober in den Boden gebracht werden. Kauft man die Pflanzen im Frühjahr, muss bereits ein kräftiger Austrieb zu sehen sein. Ansonsten sollte man die Pflanzen lieber stehen lassen.

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