Zeitung Heute : Anstoß nehmen

Helmut Schneider[Johannesburg]

Fifa-Präsident Blatter hat mögliche Ersatzkandidaten genannt, sollte Südafrika die Fußball-WM 2010 nicht austragen können. Wie weit ist Südafrika mit der Vorbereitung der Weltmeisterschaft?


Danny Jordaan war außer sich. „Das ist unmöglich und kann nicht ernst gemeint sein“, sagte der Chef des südafrikanischen WM-Komitees, als er von Joseph Blatters Gedankenspielen hörte. Der Fifa-Präsident hatte am Montag in der BBC erklärt, es könnten andere Austragungsländer für die Fußball-WM 2010 ins Auge gefasst werden, sollte Südafrika die Aufgabe nicht stemmen. Jordaan dagegen beteuert, erst vor einem Monat habe ihm Fifa-Generalsekretär Urs Linsi noch „wunderbare Fortschritte“ bescheinigt. Doch offenbar sehen die Funktionäre des Weltfußballs keinen Anlass, sich zurückzulehnen. Insider werten die Blatter-Äußerung vor allem als Warnung an die träge südafrikanische Bürokratie.

Denn auch wenn Jordaan beteuert, dass die Regierung bereits 17,6 Milliarden Rand, also umgerechnet etwa 1,7 Milliarden Euro, für den Bau der Stadien bereitgestellt habe und die Lizenznehmer der FIFA weitere 30 Milliarden Rand beisteuern, so rührt sich noch recht wenig. Am weitesten sind die Bauarbeiten bisher in Durban, wo bereits die Fundamente gegossen werden und die Kräne stehen. Mehr als 30 000 Tonnen Zement wurden verbaut. Im King-Senzagakho-Stadion, das mit seinem kühnen Dachbogen vom Berliner Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner entworfen wurde, soll unter anderem ein Halbfinalspiel stattfinden. Die Fertigstellung ist für Anfang 2009 anvisiert. Auch in Johannesburg und Kapstadt geht es nach einigen Verzögerungen voran. Wie das Vorbereitungskomitee versichert, ist der Bau aller fünf neuen Stadien im Gang, die Modernisierung der anderen Spielstätten beginnt jetzt.

Allerdings wird inzwischen der Beton in Südafrika knapp, da auch eine Reihe anderer Infrastrukturmaßnahmen laufen. So muss importiert werden – und das kann zu Verzögerungen führen, da die Häfen schon jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Es werden auch noch händeringend Bauleiter und andere Fachleute gesucht. Das gilt auch für den Ausbau der Stadien mit modernster Informationstechnologie.

Nahezu fertig ist hingegen der Umbau des Flughafens von Johannesburg, wo der neue Abfertigungsfinger für die großen A380-Flugzeuge schon im Rohbau steht. Schließlich werden rund 300 000 ausländische Gäste erwartet, von denen ein Großteil über den Airport von Johannesburg einfliegen wird. Doch nicht der Bau aller notwendigen Anlagen für die WM 2010 bereitet den Verantwortlichen Albträume, sondern die peripheren Bereiche wie Transport, Stromversorgung und Sicherheit. Es gibt kein verlässliches Nahverkehrssystem. Bewaffnete Überfälle auf offener Straße sind eher die Norm als die Ausnahme. Stromunterbrechungen in den Großstädten häufen sich. Und die „Gautrain“ genannte Schnellzugverbindung zwischen Flughafen, Johannesburg und Pretoria wird bis 2010 nur teilweise fertig sein. Staatspräsident Thabo Mbeki verspricht zwar immer wieder großmundig „die besten Spiele, die die Fifa je hatte“. Aber ohne Druck, wie jetzt von Blatter, werden die Zeitpläne bis zum Sommer 2010 kaum einzuhalten sein.

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