Zeitung Heute : Antalya: Träumen von mehr Besuchern

Claudia Steiner

Die türkische "Touristen-Hauptstadt" Antalya erlebt ein "goldenes Jahr": Nach den Einbrüchen 1999 - nach der Festnahme von PKK-Chef Abdullah Öcalan - zieht es nun wieder zahlreiche Urlauber an die Südküste der Türkei. Allein im August sind nach Angaben des Gouverneurs fast 495 000 Touristen per Flugzeug nach Antalya gekommen. Auch die gesamten ersten acht Monate dieses Jahres lassen auf ein hervorragendes Ergebnis hoffen: In diesem Zeitraum sind gut 2,1 Millionen Urlauber über den Flughafen eingereist, gut 240 000 mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr rechnen Experten mit drei Millionen Besuchern.

"Für Antalya wird dies ein sehr gutes Jahr werden", meint auch Osman Ayik von der Vereinigung der Hoteliers und touristischen Einrichtungen im Mittelmeerraum (AKTOB). Auch in den kommenden Jahren erwartet der stellvertretende AKTOB-Vorsitzende Zuwächse zwischen zehn und 15 Prozent. Doch die Touristen wollen nicht nur Sonne, Strand und Meer, sondern auch Restaurants, Geschäfte und Discos - gerade in diesem Bereich gebe es noch Defizite. Derzeit gibt es nämlich vor den Toren vieler Ferienanlagen oft keine Bars oder Geschäfte. Auch der Bürgermeister von Antalya, Bekir Kumbul, meint, dass es noch zu wenig Freizeitangebote gibt und träumt von Vergnügungsparks wie Seaworld oder Disneyland. "Das würde viele Menschen anziehen", meint auch Ayik.

Um den Touristenstrom aufnehmen zu können - in der Hochsaison landen pro Tag durchschnittlich 300 Flugzeuge aus dem Ausland - wird nun eine zweite Landebahn gebaut. Vor allem bei den Deutschen ist die Südtürkei beliebt: Rund 80 Prozent der Touristen kommen laut AKTOB aus Deutschland. Negative Reaktionen wie auf der bei den Deutschen so beliebten Ferieninsel Mallorca gebe es nicht. "Solche Probleme wird es hier auch nicht geben, dafür ist das Gebiet zu weitläufig und die einheimische Bevölkerung zu groß", meint Ayik.

Inzwischen kommen viele Deutsche aber längst nicht mehr nur für die schönsten Wochen des Jahres. Vor allem in Alanya, rund 130 Kilometer südöstlich von Antalya, leben zahlreiche Deutsche. Aber auch in Antalya selbst besitzen viele Deutsche eine Wohnung oder ein Haus.

Für Reisende in den Süden von Antalya allerdings birgt die Strecke vom Flughafen in das Feriengebiet um Alanya noch ihre Schrecken. Immer wieder passieren auf der vielbefahrenen, jedoch zum Teil nur zweispurig angelegten Autopiste Unfälle mit verheerenden Folgen. Proteste von Tourismusorganisationen und Einheimischen vermochten bisher nicht, den bereits in Angriff genommenen Ausbau zu beschleunigen. Schätzungsweise 2500 Bundesbürger haben sich allein in Antalya niedergelassen, darunter die Familie Bartels aus Mönchengladbach. Die ehemalige Gastwirtsfamilie ist vor sieben Jahren nur mit ein paar Koffern nach Antalya gekommen und hat sich ein Haus gemietet. Die drei Kinder im Alter von 18, 15 und neun Jahren gehen in Antalya zur Schule und sprechen perfekt Türkisch. Die Familie wohnt relativ bescheiden und lebt von Mieteinnahmen. "In Deutschland haben wir so viel gearbeitet und konnten uns zu wenig um die Kinder kümmern", sagt Willi Bartels (43). "Nun haben wir eigentlich nur Freizeit", meint seine 42 Jahre alte Frau.

Als die Familie 1993 das Haus mietete, war das Viertel kaum bebaut. "Nun wird hier überall gebaut", erzählen sie. Tatsächlich werden rund um Antalya zahlreiche Apartmentblocks aus dem Boden gestampft. Neben den zahlreichen Touristen muss die Stadt mit ihren schätzungsweise 750 000 Einwohnern jedes Jahr etwa 60 000 Menschen aufnehmen, die nach Antalya ziehen. "Es kommen viele türkische Rentner hierher und viele, die im Tourismus-Bereich arbeiten wollen", sagt Bürgermeister Kumbul. "Wir versuchen den Zuwachs zu verkraften, ohne die Stadt zu zerstören." Kumbul: "Das ist das Handicap der Schönheit." Von See her jedoch bietet das wuchernde Antalya bereits heute einen erschreckenden Anblick. Die Steilküste wird von architektonisch wenig gelungenen Wohnblocks "geziert".

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