Zeitung Heute : Anwalts Lieblinge

-

18000 Aktionäre klagen gegen die Deutsche Telekom. Was wären die Folgen, wenn sie Recht bekämen?

Der an diesem Dienstag beginnende TelekomProzess sprengt alle bisher dagewesenen Dimensionen. Das liegt an der Zahl der Kläger: Es müssen zwischen 15000 und 18000 sein – so genau weiß man das beim Landgericht Frankfurt am Main nicht. Niemand hat sie gezählt. Klar ist nur: 630 Anwaltsbüros haben die Fälle in rund 2300 Klagen zusammengefasst. Enttäuschte Aktionäre fordern ihr Geld zurück. Die Anleger haben T-Aktien gekauft, die mit riesigem Werbeaufwand angepriesen wurden – vorneweg die Spots des aus TV-Serien bekannten Schauspielers Manfred Krug. Doch nach dem Juni 2000 verlor die Aktie massiv an Wert. „Die T-Aktie ist so sicher wie eine vererbbare Zusatzrente – das hat der frühere Telekom-Chef Ron Sommer behauptet“, sagt Anlegeranwalt Ralf Plück aus Wiesbaden. Aber eine sichere Sache sei die Aktie eben nicht gewesen.

Die Anleger argumentieren, der Börsenprospekt sei nicht in Ordnung gewesen. So habe die Telekom Risiken verschwiegen – wie den geplanten Kauf des US-Mobilfunkanbieters Voicestream – und ihre Immobilien falsch bewertet. Hätten sie dies gewusst, hätten sie die Aktie nicht gekauft. Nun klagen sie auf Schadenersatz. Die Telekom weist die Vorwürfe zurück.

Möglichen Konsequenzen des Prozesses möchte sie „nicht vorgreifen“. Doch die können weit über das hinausgehen, was die Telekom – sollte sie unterliegen – an Geld an die Aktionäre zurückzahlen müsste. Die Summe – geschätzt etwa 200 Millionen Euro – wäre zu verkraften. Zudem ist noch unklar, ob die Telekom die Forderungen nicht sogar an den Bund als den damaligen Mehrheitsaktionär weiterreichen kann, dessen Anteile es waren, die zum Verkauf standen.

Schwerer wiegen würde der Imageschaden. Und richtig Geld könnte es kosten, wenn sich US-Gerichte eine Entscheidung des deutschen Richters gegen die Telekom zu Eigen machten. Beim Bezirksgericht des Staates New York liegen bereits tausende Klagen von US-Aktionären. Auch ihr Argument: Der Börsenprospekt sei unvollständig gewesen. „Da kommt ein Riesenproblem auf die Telekom zu“, sagt Anlegeranwalt Plück. „In den USA wird der Schadenersatz nicht rein kaufmännisch berechnet, da liegt die Summe im Ermessen des Gerichts.“ Die deutschen Anleger können dagegen nur darauf hoffen, in T-Aktien investiertes Geld wiederzubekommen. Corinna Visser

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar