Zeitung Heute : AOL mit günstigsten Tarifen für Normal-Surfer - "Flatrate"-Anbieter noch zu teuer

Kurt Sagatz

Die Gewichte im Provider-Markt haben sich im letzten Monat merklich verschoben: Bei den Tarifen für Normalsurfer und Internet-Einsteiger konnte AOL in der Oktoberauswertung des Providertests von Tagesspiegel und www.Berliner-Provider.de den ersten Platz erobern. Mit einem Minutenpreis von 3,9 Pfennig rund um die Uhr, einer Grundgebühr von 9,90 DM und einer Steigerung der Übertragungsleistung hat AOL die Tarife der Wettbewerber deutlich auf die Plätze verwiesen.

Mit seinen fünf E-Mail-Adressen, den zehn Megabyte für die private Homepage, den Informations- und Service-Angeboten sowie mit guter internationaler Erreichbarkeit qualifiziert sich AOL als erste Wahl für Surfer, die auch auf Support und Extras Wert legen. Zudem soll AOL seine Netzwerktechnik ausgebaut haben, um neue Nutzer nicht im Datenstau stehen zu lassen.

Der große Konkurrent und Marktführer bei den Internet-Zugängen, T-Online, ist durch das Vorpreschen von AOL und die Verbesserungen anderer Provider im Bereich der Normalsurfer erheblich zurückgefallen. Vor allem der im Vergleich zu AOL nun erheblich höhere Minutenpreis von 6 Pfennig hat Punkte gekostet, während bei der Leistungsbeurteilung nun beide nahezu gleichauf liegen. Immerhin konnte T-Online den Spitzenplatz im Wenigsurfer-Bereich erfolgreich verteidigen, was vor allem mit der etwas niedrigeren Grundgebühr der Telekom-Tochter zu erklären ist. Für T-Online spricht zudem weiterhin, dass der Zugang unter Windows über das normale DFÜ-Netzwerk erfolgt und damit auch Standardprogramme wie der Internet-Explorer von Microsoft oder Netscape eingesetzt werden können. Vor allem für die E-Mail-Programme ist dies wichtig, denn diese Werkzeuge sind komfortabler als das in AOL-Tool.

Doch nicht allein die großen Online-Dienste sollten bei der Wahl eines Providers ins Auge gefasst werden. In Punkto Leistungsfähigkeit haben die Internet Service Provider häufig weiterhin die Nase vorn. Auch locken einige Anbieter wie Transmedia mit einer eigenen Internet-Adresse, die dann bereits im Grundpreis enthalten ist. Damit sprechen die Provider gezielt jene Nutzer an, denen es weniger um eine Rundumbetreuung wie bei T-Online und AOL geht als vielmehr um Features, mit denen zu einem vernünftigen Preis auch semiprofessionelle Ambitionen umgesetzt werden können.

Heiß diskutiert von den Internet-Nutzern ist die Entwicklung der "Flatrates", bei denen alle Online-Aktivitäten durch eine einmalige Monatspauschale abgegolten werden. Solche Tarife, wie sie zum Beispiel der Provider Ecore ab Mitte Oktober anbieten will, sind allerdings nur für die echten Vielsurfer geeignet. Der "Internet unlimited" genannte Tarif soll monatlich 299 DM kosten. Zudem wird eine Einrichtungsgebühr von 249 DM fällig. Zum Vergleich: Für rund 240 DM bringt einen T-Online 60 Stunden ins Netz, und das ohne Anmeldegebühr. Online für alle ohne Zeittakt und zu einem niedrigen Monatspreis dürfte somit vorerst ein Wunschtraum bleiben.Weitere Infos: www.Berliner-Provider.de

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