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Karrieren jenseits des Alltäglichen reizen viele Jobsuchende. Wie man Food Stylist, Informationsbroker oder Sprengmeister wird

Silke Zorn

„Was machst Du eigentlich beruflich?“ fragen Sie beiläufig Ihre Nachbarin im Aerobic-Kurs. „Ich bin Info-Brokerin“, antwortet die, „und mein Mann ist Food Stylist.“ Berufe gibt’s, die gibt’s gar nicht! Viele exotische und spannende Jobs haben sich erst nach und nach entwickelt, andere haben bereits eine lange Tradition. Oft führt der Weg dorthin über eine Weiterbildung in Eigeninitiative, da klassische Ausbildungen fehlen. Eine kleine Auswahl an Berufen jenseits der Norm inklusive Berufsaussichten.

Investigativ: Informationsbroker. Wir kennen sie alle – die lästige Suche nach Informationen im Internet. Sie kostet Zeit und Zeit ist bekanntlich Geld. Deshalb beauftragen immer mehr Firmen Profis mit aufwändigen Recherchen zu Marktübersichten, Kundenlisten, Produktnamen, Patenten oder Firmenprofile. Informationsbroker müssen sich blitzschnell im Dickicht der Zahlen, Daten und Fakten zurechtfinden. Dabei nutzen sie nicht nur das Internet, sondern vor allem auch digitale Datenbanken. Die Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) informiert auf ihren Internetseiten (siehe Info-Kasten) ausführlich über Berufsbild und Berufsaussichten des Informationsbrokers. In Berlin bietet zum Beispiel die Humboldt Universität ein Aufbaustudium/Fernstudium „Library and Information Science“ (Bibliothekswissenschaft) an. Am Institut für Information und Dokumentation (IID) der Fachhochschule Potsdam kann man eine Fortbildung zum Wissenschaftlichen Dokumentar/Information Specialist machen.

Exklusiv: Butler. Sie heißen James oder Mortimer, servieren stets pünktlich den Fünf-Uhr-Tee und bleiben, zumindest bei Edgar Wallace, trotz Mord und Totschlag immer die Ruhe selbst. Wer gerne für andere da ist, Organisationstalent besitzt und Ordnung und Etikette liebt, kann sich inzwischen auch in Deutschland sich Butler ausbilden lassen.

Die Vorstellung vom schwarz befrackten Hausdiener der alten Schule sollte man allerdings zu den Akten legen. „Ein moderner Butler ist Allround-Manager, Privatsekretär, Chauffeur und persönlicher Assistent in einem“, weiß man an der International Butler Academy im rheinischen Willich. In Berlin bietet die Industrie- und Handelskammer in Kooperation mit dem Privatinstitut Hogan eine zwölfmonatige Butler-Ausbildung an, allerdings nur in unregelmäßigen Abständen. „Gutes Hauspersonal wird zwar immer gebraucht“, sagt Dürt Wolf vom Institut Hogan, „allerdings nicht massenweise. Wir möchten deshalb auch nicht über Bedarf ausbilden.“ Bewerber sollten auf jeden Fall Vorkenntnisse in gehobener Hauswirtschaft, Hotellerie oder Gastronomie mitbringen.Rund 9000 Euro kostet der Kurs, dafür ist das Institut auch bei der Stellensuche behilflich. „Denn vieles läuft in dieser Branche über persönliche Kontakte“, sagt Lehrgangskoordinatorin Wolf.

Akkurat: Food Stylist. Es ist angerichtet! Auch Essen muss heutzutage ins rechte Licht gerückt werden – für Werbespots und Fotos in Zeitschriften oder Kochbüchern. Eine geregelte Aus- oder Weiterbildung zum Food Stylisten gibt es in Deutschland allerdings noch nicht, die meisten Quereinsteiger in den Beruf sind gelernte Köche oder Gastronomen. Sinnvoll sei zunächst ein Praktikum bei einem Food Stylisten oder in der Versuchsküche einer Esszeitschrift, raten Experten. Obwohl sich zurzeit noch nicht viele Deutsche hauptberuflich mit dem geschmackvollen Anrichten von Rosmarinkartoffeln und Broccoliröschen beschäftigen, scheinen die Berufsaussichten gar nicht mal so schlecht zu sein. Denn Lifestyle-Zeitschriften und gesunder Lebensstil liegen im Trend.

Explosiv: Sprengmeister. Sie ziehen ein wenig Nervenkitzel dem peniblen Ausrichten von Obst und Gemüse vor? Dann wäre vielleicht eine Ausbildung zum Sprengmeister das richtige. Sprengmeister sind für die sichere Ausführung von Sprengarbeiten oder die sichere Entschärfung von Bombenblindgängern, verantwortlich. Die Ausbildung ist eine Weiterbildung im Anschluss an einen bereits erlernten Beruf, idealerweise im Baugewerbe oder im Bergbau. Ein Grundlehrgang dauert nur wenige Wochen.

Voraussetzung ist allerdings, dass man zuvor an mindestens 50 Sprengungen als Helfer mitgewirkt hat. Und auch nach einem Grundlehrgang ist kontinuierliche Weiterbildung unerlässlich, um sich für besonders brisante Aufgaben wie Bauwerks-, Lawinen- oder Unterwassersprengungen fit zu machen. Und die Berufsaussichten? „Eine Jobgarantie gibt es nicht“, sagt Jörg Rennert, Vorsitzender des Deutschen Sprengverbandes und Geschäftsführer der Dresdner Sprengschule, „denn die Baubranche boomt nicht gerade. Wer sich allerdings spezialisiert und in bestimmten Bereichen besonderes Fachwissen aneignet, ist schon mal im Vorteil.“

Verspielt: Game Designer. Wer sich gerne per Mausklick auf ferne Planeten oder in die Welt der Hobbits und Orks versetzt, kann sein Hobby zum Beruf machen. Game Designer sind an der Erstellung von Computer- und Videospielen beteiligt und kommen in der Regel aus den Bereichen Grafik und Informatik. Gerade in Berlin gibt es viele Institute, die speziell Weiterbildungen für Game Designer anbieten: Webanimation, 3-D-Modelling oder interaktive Video-Entwicklung. So bietet die Games Academy zwei- bis viersemestrige Vollzeit-Ausbildungen an. Sie kosten zwischen 655 und 860 Euro monatlich. Jobs für die verspielten Computerspezialisten gibt es vor allem bei Softwareherstellern, aber auch bei Werbeagenturen oder anderen Medien-Dienstleistern. Glaubt man Experten, so befindet sich die Computerspiel-Branche weiterhin im Aufwind. Neuste Verbraucheranalysen bestätigen das. In Deutschland sollen allein Jugendliche zwischen zehn und 19 Jahren im vergangenen Jahr rund 745 Millionen Euro für Spielesoftware ausgegeben haben.

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