AQUARELLE, ZEICHNUNGEN, PLASTIKOlav Christopher Jenssen : Geisterstunde

Christina Tilmann

Seine Bilder oder Bild-Reihen heißen „Vanish“, „Lack of Vanity“ oder „The Empty Drawing Room“. Als ob es in ihnen immer darum gehe, Leerstellen zu bezeichnen. Die weißen Schemen zum Beispiel, die sich auf einem der jüngsten Bilder vor zartfarbigem Grund bewegen – sind das Geister, sind das Scherenschnitte? Oder doch einfach nur weiße Skulpturen im Park?

Das Haus am Waldsee, aus dessen Fenstern der Blick auf einen wunderbaren kleinen Park geht, scheint der rechte Ort, um solche Fragen zu stellen. Hier zeigt der norwegische, seit 1983 in Berlin lebende Künstler Olav Christopher Jenssen unter dem Titel „Zeitweise“ einen Querschnitt durch sein aktuelles Schaffen: Aquarelle, Zeichnungen, Plastiken aus Gips und Metall. Und raumhohe Bilder, ein Farbrausch, ein Farbfest.

Zeitweise: Das bezeichnet das Flüchtige, Bewegliche, das Jenssens Bildern innewohnt. Ornament und Farbe, Schemen und Spannungen, all das steckt in diesen Bildern. Palindrome allerdings, Schriftbilder, wie Jenssen sie lange Zeit entwarf, gibt es kaum noch darunter. Es scheint, die Sprache sei verstummt, angesichts dieser neuen Luftigkeit, dem Spiel der Formen und Farben. An Nietzsche, Kafka, Borges oder Oscar Wilde haben sich frühere Werke orientiert – eine gute Pointe war Jenssen immer ein Bild, eine Geschichte wert. „Er spricht so über seine Kunst, dass man auf der Stelle selbst gern Maler wäre“, hat ein Kritiker einmal über ihn geschrieben. Nun dominiert die Lücke, die Leerstelle, der Weißraum auf dem Bild – die Pause. Man könnte endlos darüber reden. Christina Tilmann

Haus am Waldsee, So 30.3. bis So 8.6., täglich 11-18 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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